Berlin - Die Beklemmung lässt einfach nicht nach. Der tödliche SUV-Unfall von Mitte ist fast zwei Wochen her und immer noch nicht restlos aufgeklärt. Inzwischen verhärtet sich der Verdacht, dass der Fahrer, der vier unbeteiligte Fußgänger in den Tod riss, erhebliche medizinische Probleme gehabt hat.

Gleichzeitig berichten die Pfarrer der Elisabeth-Kirche direkt neben dem Unfallort von einem ungebrochenen Bedürfnis vieler Anwohner aus dem Kiez, gemeinsam zu trauern, den Angehörigen ihr Beileid auszusprechen, sich einfach zu treffen, und zu reden. Das Quartier ist immer noch in innerem Aufruhr.

Mitten in diese Phase der anhaltenden Erstarrung, des Schocks hinein stellt Verkehrssenatorin Regine Günther ihre Gesetzesvorlage zur zukünftigen Fußverkehrspolitik in Berlin vor.

Trotz neuer Rechte für Fußgänger: Wir müssen alle mehr Rücksicht aufeinander nehmen 

Die Stadt soll durch die Verbesserung der Infrastruktur für Fußgänger sicherer werden, sagt die Grünen-Politikerin. Die Grünphasen für Fußgänger sollen verlängert, die Bürgersteige insgesamt sicherer werden. Gleichzeitig soll der Autoverkehr in der Innenstadt wirksam eingedämmt werden. Das ist gut und notwendig.

Doch genau so sicher ist, dass das beste Gesetz nichts nützen wird, wenn wir unsere Lebensgewohnheiten nicht endlich der wachsenden Stadt anpassen. Womit wir wieder bei der Debatte um eine mögliche Verbannung von SUV aus der Innenstadt sind.

Doch am Ende werden wir nur gut miteineinander leben können, wenn alle mehr Rücksicht nehmen. Was den fürchterlichen Unfall in Mitte angeht, wird am Ende ein Gericht über die Schuld und die Schuldfähigkeit des Fahrers befinden müssen. Und genau so soll es ja auch sein.