Berlin - Zugemauerte Fenster, ein außer Betrieb genommener Aufzug, ein desolates Treppenhaus, permanenter Baulärm, ständig Dreck, unter anderem durch den Bau einer Tiefgarage unter dem Hinterhof des Hauses. Es kann seit langem schon kein Vergnügen mehr sein, in dem Haus Calvinstraße 21 zu wohnen. Von „vier Jahren Terror“ sprechen Anwälte, die sich in dem Fall auskennen.

Dort, in einer fast schon idyllischen Ecke von Moabit fast direkt am Ufer der Spree, scheint ein Vermieter partout alle Vorurteile gegen seine Zunft noch übertreffen zu wollen. Der Hintergrund des bitterbösen Streits geht weit über den Einzelfall hinaus alle Bewohner von Mietwohnungen in Berlin etwas an: Das Haus in der Calvinstraße soll modernisiert werden und die Mieten danach entsprechend steigen. Die sechs verbliebenen Bewohner – der Rest ist längst geflohen – wollen das nicht zulassen, weil sie fürchten, die höheren Kosten bald nicht mehr tragen zu können. Aus Angst davor, lehnen sie bisher auch die Umsetzwohnungen ab, in die sie während der Bauzeit ziehen könnten.

Jetzt hat selbst eine bekannt vermieterfreundliche Kammer des Berliner Landgerichts, deren Vorsitzende Richterin irritierenderweise regelmäßig Referate vor Immobilienunternehmen hält, zugunsten der geplagten Mieter entschieden: Nein, sie müssen nicht alles erdulden.

Der Vermieter hat jetzt erstmals auch in zweiter Instanz lernen müssen, dass er nicht alles mit dem Haus und seinen Bewohnern anstellen kann. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, dass man mit den Mietern endlich redet, ihnen akzeptable Angebote macht. Schließlich kostet der permanente Rechtsstreit um das Haus Zeit, Nerven – und auch eine Menge Geld.