Berlin - Autos sind eine wunderbare Sache. Um Ausflüge machen zu können oder den letzten Ikea-Einkauf zu bewältigen. Aber dafür würde eigentlich auch ein Taxi genügen. Der Glaube hingegen, dass jeder einen Anspruch darauf hat, sein eigenes Auto fahren und abstellen zu dürfen, hat unsere Städte mehr verwüstet als Bombenkrieg, modernistische Abrissbegeisterung und Shoppingcenter zusammen. Dabei sind die ökonomischen, kulturellen, sozialen Zerstörungen seit Jahrzehnten bekannt.

Doch die Ideologie der autogerechten Stadt stirbt nicht aus. Wenn der Bundesverkehrsminister verspricht, Elektroautos auf Busspuren fahren zu lassen, gibt es Beifall. Dabei wird durch diese der öffentliche Verkehrsdienst genauso ausgebremst wie durch Benziner.

Bis heute sind im Denken der Berliner Verkehrsverwaltung offenbar Straßenbahnen, Busse, Fahrradfahrer oder Fußgänger nicht wirklicher Verkehr, sondern Verkehrshemmnis, der Rückbau von Straßen ist eine schiere Unmöglichkeit, weil ja Autos sich stauen könnten. Deswegen dauert der Umbau der Invalidenstraße seit Jahren, entstand an der Potsdamer Straße ein absurdes Kunstwerk mit in den Boden eingelassenen Star-Sternchen, hat der Hauptbahnhof erst kürzlich eine Straßenbahnhaltestelle erhalten.

Deswegen ist es offenbar unmöglich, brutale und miserabel gestaltete Schneisen im Stadtkörper wie die Grunerstraße oder ihr West-Berliner Pendant, die fiese Kreuzung an der Urania (es gäbe noch viele andere Beispiele zu nennen) mit einer neuen Randbebauung zu verdichten. Stattdessen soll an der Urania das städtebauliche Desaster mit Bäumen und Blumen dekoriert werden. Sollen die Menschen, in diesen schönen neuen Anlagen sitzend, etwa herzhaft am Auspuff schnüffeln?

Nicht mal Drogenhändler werden sich dort aufhalten. Dafür sind die Verkehrsverbindungen nämlich zu schlecht – wenn man nicht gerade im Auto sitzt.