Kommentar zur Debatte um Polizei-Einsatz mit Spuckschutz in Mitte: Gefährliches Halbwissen

Bei der Räumung eines Obdachlosencamps im Ulap-Park in Mitte wird einer Obdachlosen aus Eigensicherungsgründen, wie es in der Behördensprache heißt, ein Tuch über den Kopf gezogen. Darüber ist nun innerhalb kürzester Zeit eine Debatte entbrannt, die sprachlos macht. Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek spricht von "schockierenden Bildern", der Linke-Innenpolitiker Niklas Schrader zieht sogar einen absurden Vergleich zum US-Gefangenenlager Guantanamo.

Ganz ehrlich: Wissen Kapek und Schrader eigentlich, was sie da sagen?

Warum den Gefangenen in Guantanamo Säcke über den Kopf gezogen werden, ist bekannt - es ist ein Teil der schlimmen Psychofolter, mit der die Gefangenen gebrochen werden sollen. Was die Berliner Polizei getan hat, ist damit nicht mal im Ansatz vergleichbar. Nochmal: Die Einsatzkräfte haben einer spuckenden und an starkem Läusebefall leidenden Obdachlosen, die zuvor hochaggressiv gewesen sein soll, ein weißes Tuch über den Kopf gelegt. Um sich zu schützen. In anderen Bundesländern gehören eigens für solche Fälle entwickelte Spuckhauben übrigens schon lange zur regulären Ausrüstung der Polizei. Auch in Berlin ist die Einführung dieser Hauben immer wieder Thema gewesen.

Politiker sollten sich zunächst ein fundiertes Gesamtbild verschaffen

Nun sind die Bilder der von Polizisten umringten und gefesselten Obdachlosen mit dem Tuch über ihrem Gesicht auf den ersten Blick tatsächlich verstörend, keine Frage. Aber wer die Umstände berücksichtigt, die zu diesen Bildern geführt haben und sich über Details wie eben einen Spuckschutz informiert, merkt schnell, dass sich hier mitnichten eine Folterszene wie in Guantanamo abgespielt hat.

Vor allem Politiker wären gut beraten, sich zunächst ein fundiertes Gesamtbild zu verschaffen, bevor sie reflexhaft mit harschen Worten auf unsere Polizisten einprügeln und sie indirekt sogar als Folterknechte beschimpfen. Schlimm genug, wie oft sich gewählte Volksvertreter auf Twitter mit unüberlegten Äußerungen blamieren. Wenn dieser Zeitgeist der peinlichen Schnellschüsse immer häufiger auch außerhalb von Twitter und Co. anzutreffen ist, ist das besorgniserregend. Denn dann unterscheiden sich vermeintlich seriöse und  fundierte Polit-Debatten nicht mehr von alkoholgeschwängerten und mehr als dumpfen Stammtisch-Diskussionen. Und das darf einfach nicht sein.