Berlin - Nina Hagen sang beseelt von ihrem Stelldichein „auf’m Bahnhof Zoo, im Damenklo“. Christiane F.s Drogensaga „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ sorgte für gruseligen Lesespaß. Zu Mauerzeiten war die Station lange der einzige Fernbahnhof im Westen Berlins, und damit eines der wenigen Tore in die damalige von der DDR umringte Halbstadt. Keine Frage, der Bahnhof Zoologischer Garten hat in der Berliner Geschichte eine wichtige, wenn auch nicht immer rühmliche Rolle gespielt. Darum gab es laute Proteste, als die Bahn diese Station im Mai 2006 vom Fernbahnhof zum Regionalverkehrshalt herabstufte.

Bis heute fordern der Senat und Fahrgastverbände, dass dort wieder ICE- und Intercity-Züge halten. Doch die Bahn will nicht, weil sie ihren teuren Hauptbahnhof auslasten und dessen Ladenmietern Kunden zuführen will. Jetzt erwägt sie sogar, nach den Hamburger und Münchener ICE-Zügen noch mehr Fernzüge nicht mehr durch die City West zu leiten. Das mindert die Chance, dass die Station jemals wieder regulärer ICE-Halt wird, weiter. Aber ist das wirklich so schlimm? Nein!

Renovierung ist wichtiger als Nostalgie

Die Herabstufung hat nicht dazu geführt, dass Berliner und Touristen weniger Zug fahren. Sie steigen nur woanders ein und aus, mussten ihre Routine ändern. Manche haben gemerkt, dass ihnen die ICE-Bahnhöfe Südkreuz oder Spandau näher liegen als der Zoo. Die Degradierung des Bahnhofs hat offenkundig auch nicht der City West geschadet. Sie boomt, wie die vielen Bauprojekte zeigen. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Ostbahnhof und seine Umgebung den möglichen Abzug weiterer Fernzüge genauso gut verkraftet.

Wichtiger als die Nostalgiedebatte um den verlorenen Fernzughalt wäre es, die von der Bahn so oft versprochene Renovierung des Stationsgebäudes einzufordern. Die Arbeiten müssen endlich beginnen. Denn der Bahnhof hat eine Zukunft. Auch, wenn dort nur noch Regionalzüge und S-Bahnen halten.