Ab sofort soll ein Zaun dafür sorgen, dass auf der wegen ihrer Graffiti-Kunstwerke berühmten East Side Gallery in Friedrichshain keine neuen Graffiti mehr entstehen. Diese neuen Kunstwerke schaden zwar den darunterliegenden und inzwischen zu internationalem Ruhm gekommenen Spraywerken kaum, da diese mit einer Schutzschicht überzogen sind. Aber die Entfernung des Neuen, Unerwünschten kostet Bund und Land alle paar Jahre richtig viel Geld, nämlich rund 230.000 Euro. Da ist ein einmalig aufgestellter Zaun natürlich billiger.

Nun darf man sich der bemalten ehemaligen Betonwand an der Mühlenstraße nur noch auf „Männerarmlänge“ nähern. Also, liebe kreative Touristen, aktive Besucher und dilettantische Freizeitsprüher: Das war’s. Vorbei die Zeiten, an denen man sich küssend vor dem Bruderkuss selfien konnte. Vorbei die Zeiten, als man heimlich sein „I was here“ hinterlassen konnte. Vorbei die Zeiten, als man einmal ein echtes Stück Mauer – auch wenn es natürlich nur die Hinterlandmauer ist – echt anfassen konnte.

Wieder wird ein Stück öffentlicher Raum zum gesperrten Raum. Wieder ein Stück Freiheit weniger in Berlin. Erneut geht urbaner Freiraum verloren, obwohl doch die Stadt dafür in aller Welt berühmt und beliebt ist. Stattdessen wird aus einem lebendigen, wachsenden und immer wieder modifizierten Denkmal ein gesichertes Museum, das Besucher am Gängelband hält. Bitte Abstand halten und Finger weg!

Graffitikunst ist eben nicht Graffitikunst. Sondern Kunst ist in diesem Fall das, was zuerst da war – und nur das soll Kunst bleiben. Fragt sich, was als nächstes kommt. Mein Vorschlag: Ein mindestens fünf Meter hoher blickdichter Wall und dann Eintritt nehmen. Wie in einem Museum eben.