Der US-Unterhaltungskonzern Anschutz plant in seinem Entertainment-Viertel am Ostbahnhof auch ein Info- und Besucherzentrum für die East Side Gallery. Auf dem Dach eines der Neubauten vor der Großarena, neben Kino und Bowlingcenter, sollen sich Besucher in einer Box über die Mauer auf der anderen Straßenseite informieren. Eine weitere Box soll es übrigens auf dem Dach des Nachbargebäudes geben, für eine Sky-Bar.

Es klingt überraschend hochherzig, was die Investoren der Amüsiermeile vorhaben. Seht her, so ihre Botschaft, wir tun etwas für die Berliner Geschichte! Komisch nur, dass bei den Künstlern, die vor 25 Jahren die einstige DDR-Hinterlandmauer bemalten und so zu einem Hot Spot für Berlin-Touristen machten, Skepsis vorherrscht. Die ist auch angebracht. Denn Privatinvestoren sind nicht hochherzig, sondern profitorientiert. Soll ihnen überlassen werden, was der Staat versäumt hat?

Natürlich kann vertraglich vereinbart werden, was in diesem Besucherzentum stattfinden soll. Jedoch muss eher befürchtet werden, dass sich die Politik vollends aus der Verantwortung stiehlt. Denn die Mauerkünstler fordern seit Jahren ein Besucherzentrum. Einen öffentlichen Ort am Spreeufer, an dem darüber informiert wird, dass es auch dort, wo jetzt alles so schön bunt ist, einst Tote gab. Die Forderung wurde stets abgelehnt. Jetzt kann sich die Politik zurücklehnen. Jene Politik, die auch zuließ, dass das Denkmal zerstört wird. Durch Neubauten und Durchbrüche.
Bund und Land haben jüngst 230.000 Euro für eine einmalige Reinigung von Graffiti spendiert. Für mehr Geschichtsbewusstsein reicht das Interesse nicht. Weil sich niemand ernsthaft um die East Side Gallery kümmert, ist diese selbst Teil des Entertainment-Betriebs geworden. Als Partyort passt sie zur geplanten Amüsiermeile.