Berlin - Wer wissen will, wie beliebt eine Stadt bei Touristen ist, sollte für die Recherche einen Tag mit schlechtem Wetter nutzen. Denn nur dann zeigt sich, was wirklich interessiert. Ein Ort, an dem auch bei schlechtem Wetter immer was los ist, ist die East Side Gallery in Friedrichshain. Das kilometerlange bemalte Stück Hinterlandmauer ist einer der touristischen Anziehungspunkte der Stadt. 800.000 Besucher jährlich beweisen das.

Doch die bekommen von Jahr zu Jahr weniger zu sehen: Die Bilder der East Side sind beschmiert, es werden auch immer weniger. An etlichen Stellen fehlen Segmente – sie mussten weichen für Durchgänge, Türen und Sichtachsen. Nun sollen noch einmal Mauerteile abgetragen werden. Die einen sagen, um den Weg frei zu machen für eine neue Brücke. Die anderen sagen, um Fluchtwege zu haben für die Häuser hinter der Mauer.

Angesichts der jahrelangen Debatten um Berlins bekannteste Galerie kann es eigentlich nur eine Schlussfolgerung geben: Dass Berlin nicht viel an ihr liegt. Der Verfall der Mauerteile, das Beschmieren der Bilder oder der Schwund von Teilen – seit ihrer Entstehung ist die Galerie gefährdet. Natürlich, sie liegt nicht gerade günstig – sie verdeckt den Blick auf die Spree. Und ja, gleich daneben ist begehrtes Bauland. Und ja, der schmale Fußweg neben einer sechsspurigen Straße ist nicht ideal für die Spaziergänger, die sie betrachten wollen.

Aber so ist es nun mal. Wenn Berlin eine solche Galerie haben will, muss es dafür sorgen, dass sie in ihrer Existenz nicht weiter gefährdet wird. Wer zulässt, dass die East Side Gallery schrumpft, beschmiert wird oder wieder verfällt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, sie nicht zu wollen. Letzteren sei zu empfehlen, die East Side Gallery noch mal zu besuchen. Es muss ja nicht bei schlechtem Wetter sein.