Berlin - Was haben das Flüchtlingscamp am Oranienplatz und die besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg sowie die alte Eisfabrik in Mitte gemeinsam? An allen drei Orten hausen Menschen in elenden Verhältnissen. Als „Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus“ oder als „Armuts-Migranten aus anderen EU-Ländern“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Gemeinsam ist den drei Orten auch, dass niemand Verantwortung für die Betroffenen und die Elendsquartiere selbst übernehmen will. In Kreuzberg schieben sich ein hilfloses, trotziges Bezirksamt und ein mit Räumung drohender Senat die Schuld seit Monaten gegenseitig zu.

In Mitte ist es noch komplizierter. Denn die alte Eisfabrik, in der es weder Strom, Wasser noch Heizung gibt, ist Privateigentum. Laut Gesetz ist der Eigentümer verantwortlich dafür, dass auf seinem Gelände niemand zu Schaden kommt. Doch das Unternehmen aus Bochum schiebt die Verantwortung der Politik zu. Der Bezirk Mitte müsse zunächst dafür sorgen, dass die Menschen woanders unterkommen. Erst dann könne man die Gebäude sichern.

Im Bezirk heißt es, so lange Obdachlosigkeit nicht im öffentlichen Raum stattfinde, also auf einer Grünfläche oder auf der Straße, sei die Politik nicht zuständig. Das ist formal richtig, aber zynisch. Vielleicht entsteht ja demnächst ein neues Camp, mit dem die Politik weiter vorgeführt werden kann.

Denn die etwa 50 Menschen, die in der Eisfabrik hausen, haben (wie die Flüchtlinge in Kreuzberg auch) sehr kreative Unterstützer. Diese Aktivisten, unter ihnen eine ehemalige Baustadträtin von Mitte, wollen im „Kampf gegen das Schweinesystem“ vor allem eins: im Gespräch bleiben. Auch das haben alle drei Elendsorte in Kreuzberg und Mitte gemeinsam – das verantwortungslose Ausnutzen hilfloser Menschen für die eigenen Zwecke.