Der Stiftungsrat der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen hat am Dienstag den einzig richtigen Beschluss gefasst: Er hat sich einstimmig von deren Direktor Hubertus Knabe getrennt. Lob gebührt Kultursenator Klaus Lederer, der die Prüfung der Vorwürfe energisch vorantrieb. Lob gebührt ebenfalls Kulturstaatsministerin Monika Grütters und dem Chef des Dachverbandes der DDR-Opfer, Dieter Dombrowski, die den Beschluss mittragen. Knabe hatte sich ja der Union und den von der SED Unterdrückten aus machtpolitischem Kalkül als Vertreter angedient.

Nein, Knabe fällt nicht darüber, dass er die Linken im Land geärgert hat. Seine Entlassung ist ebenso wenig ein Votum gegen die DDR-Aufarbeitung, die weiter gehen muss. Der 59-Jährige fällt über ein autoritäres Arbeitsklima, das seit Jahren alle möglichen Schikanen bis hin zu sexueller Belästigung ermöglicht hat. Knabe hat dieses Klima in doppelter Weise zu verantworten - als Mitverursacher wie als Chef von anderen, über die er hätte wachen müssen. Stattdessen tat der Westfale wieder einmal, als wisse er von nichts. Das ist organisierte Verantwortungslosigkeit.

Dabei hat Knabe sowohl in der Affäre um den rechtslastigen Gedenkstättenführer Siegmar Faust als auch in der jüngsten Affäre gezeigt, dass er sich sehr rasch von Leuten trennt, die ihm nicht mehr dienlich sind. Dies gilt für den Chef des Fördervereins, Jörg Kürschner. Es gilt jetzt für Helmuth Frauendorfer. Obwohl die Drei stets gemeinsame Sache machten, warf Knabe die beiden ab wie Ballast - hoffend, so seine eigene Haut zu retten. Gut, dass dieses Kalkül nicht aufgeht. Noch besser, dass sich der Mut jener Frauen lohnt, die jetzt aufgestanden sind.