Die Investoren haben endlich das Gebiet rund um den Hauptbahnhof entdeckt. Nachdem dort in den vergangenen sechs Jahren seit der Bahnhofseröffnung lediglich ein paar Billighotels und ein Büroturm im Niemandsland zwischen Brachflächen und Baustellen entstanden sind, gibt es jetzt Pläne für hochwertige Hotels, für weitere Unternehmenszentralen und für Wohnungen.

Dem neuen Bahnhofsviertel der Hauptstadt, das offiziell Europacity getauft wurde, kann das nur gut tun. Denn bislang ist die Architektur der Neubauten einer Hauptstadt nicht würdig. Die schlichten Fassaden der beiden Hotels nördlich und südlich des Hauptbahnhofs sind eine einzige Enttäuschung. Der architektonische Leuchtturm in dem Gebiet ist allein der Bahnhofsbau mit seiner filigranen Konstruktion aus Stahl und Glas.

Die bisherige architektonische Enttäuschung lässt sich mittlerweile schon in Euro beziffern. So hat der Gutachterausschuss für Grundstückswerte den Bodenrichtwert am Hauptbahnhof zu Beginn dieses Jahres von 5000 auf 4000 Euro je Quadratmeter runtergestuft, weil sich die Erwartungen an das Gebiet nicht erfüllt haben.

Der Senat muss nun mit dem Bezirk Mitte darauf drängen, dass sich die Investoren bei ihren geplanten Neubauten zu einer hohen architektonischen Qualität verpflichten. Architekturwettbewerbe, wie sie die Senatsbaudirektorin jetzt verlangt, sind ohne Frage ein Mittel, um die Qualität zu verbessern – Voraussetzung ist allerdings, dass in den Wettbewerben entsprechend hohe Qualitätsstandards verlangt werden. Eine hochwertige Architektur ist nicht nur aus Gründen der Stadtbildpflege notwendig. Sie ist auch erforderlich, um die Entwicklung von sozialen Brennpunkten zu verhindern, die sich in weniger attraktiven Ecken leichter herausbilden. Noch ist es nicht zu spät.