Berlin - Es war wohl einfach ein bisschen zu ruhig in der Hauptstadt-CDU. Auf diese  Art und Weise jedenfalls ist das schlechteste Berliner Wahlergebnis seit Gründung der Bundesrepublik  nicht zu bewältigen: Es reicht einfach nicht aus,  den bisherigen Spitzenkandidaten Frank Henkel zu demontieren und auf  die Hinterbank zu bitten, um dann mit der flotten Wahl einer prominenten Vorsitzenden namens Monika Grütters, die bis dahin die Landespartei gemieden hatte, wo sie nur konnte, den Neuanfang auszurufen.

Monika Grütters, die neue Chefin, ist sicherlich klug und weltgewandt. Aber sie hat als hauptberufliche Kulturstaatsministerin  wenig Zeit und offenbar auch genauso viel Lust, sich um die Tiefenpsychologie  des lädierten Landesverbands zu kümmern.  Auch für ihren jungen Generalsekretär Stefan Evers, der nur mit unionsinterner Spezialzählung überhaupt eine hauchdünne Stimmenmehrheit bekam, ist diese Aufgabe zu groß.

Er ist gut im Pointieren, genauer im Polemisieren, was den politischen Gegner angeht. Aber nach innen hat er keine  Autorität. Vielleicht noch nicht. Doch die aktuelle Phase ist entscheidend – für die Aufarbeitung der Niederlage. Und, ganz aktuell, für die Bundestagswahl im September.

Dass nun im berüchtigten CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf, der lange Zeit als  halbwegs  befriedet galt, die Lage eskaliert, ist kein Zufall. Die Duellanten Karl-Georg Wellmann und Thomas Heilmann liefern sich juristische Scharmützel um ein Bundestagsmandat, dass sie beide für ihr Überleben nicht brauchen. Warum? Weil im Südwesten der Stadt die Juristendichte unter den Christdemokraten so hoch wie sonst nirgends ist.

Und weil die Herren Kudamm-Notare und Co. erprobt sind  im Posieren vor Publikum. Mangelnde Eitelkeit ist regelmäßig das geringste Problem bei ihren Zusammenkünften. Heilmann, der Quereinsteiger, hat sich zwar Verdienste erworben im Aufbrechen erstarrter Denkstrukturen dieser Südwest-Mentalität.

Doch letztlich gehört er dazu: Erfolgsverwöhnt und selbstbewusst bis an die Grenze zur Egomanie. Schwerer als diese gefühlte Stärke wiegt aber die reale Schwäche der neuen Vorsitzenden. Sie hat keine hinreichende Basis in den Tiefen der Partei – sollte sie sich aber schnell schaffen, falls sie es ernst meint.