Eine liebevolle Beziehung war es nie, die die Berliner zur Mercedes Benz Fashion Week hegten. Meist wurde die Modewoche belächelt, Berlin sei einfach keine Stadt für so eine als oft überkandidelt empfundene Veranstaltung. In Berlin sei die Mode nicht daheim, so die Kritiker, die Fashion Week, die seit acht Jahren zweimal per annum große Straßen blockiert und viele Besucher in die Hauptstadt lockt, gehöre nicht wirklich in diese Stadt.

Wie ein Fremdkörper wurde das weiße Zelt am Brandenburger Tor empfunden, die Berliner ignorierten die geschlossene Veranstaltung, Touristen liebten den Trubel. Als sich 2013 die großen Modemarken mit Blick auf die lukrativeren nordamerikanischen und asiatischen Märkte von der Berliner Modewoche verabschiedeten, da schienen die Kritiker der Fashion Week endlich recht zu bekommen – das Experiment, eine globale Modemesse auch in der deutschen Hauptstadt Station machen zu lassen, schien gescheitert.

Jetzt sei endlich die Zeit gekommen, echte Avantgarde zu zeigen, entgegneten indes die Freunde der Fashion Week. Und das wäre wirklich eine Chance gewesen, aus der Modewoche eine aufregende Zeit werden zu lassen. Immerhin zeigten zu Beginn schon Stars wie die Belgierin Iris van Herpen ihre wegweisenden Entwürfe auf dem Laufsteg am Brandenburger Tor. Doch was folgte, waren die immer gleichen gediegenen Ideen für das mittlere Preissegment, Mode, die in ihrer Pastelligkeit niemanden verschreckt, und mit der sich die Kundschaft in Bamberg und Brandenburg gleichermaßen identifizieren kann.

Kreative Ausreißer

Dazwischen gab und gibt es ein paar kreative Ausreißer wie Rike Feuerstein, Esther Perbandt oder Sadak. Doch diese machen, wie man sagt, den Kohl nicht fett und die Modewoche zu keinem glanzvolleren Ereignis, denn wer hier zu Ruhm kam, verließ die Stadt recht schnell wie das Label Achtland, das hochgelobt von der internationalen Modewelt prompt nach London ging.

Nutznießer hingegen waren in den vergangenen Jahren die zeitgleich stattfindenden Messen wie Premium, Panorama oder Karl-Heinz Müllers Bread & Butter, die jüngst vom Onlinemodehaus Zalando gekauft wurde. Die Macher der Messen haben offenbar frühzeitig erkannt, wofür Berlin steht. Nämlich für ein Publikum, welches eher einen pragmatischen Zugang zur Mode hat und sich nicht wirklich für Ausgefallenes begeistern mag. Aber ausgefallene Ideen sind für die Mode überlebenswichtig. Und es gibt in dieser Stadt durchaus modische Avantgarde, nur tanzt diese eben in Clubs wie dem Berghain, bestellt global im Netz, oder kreiert eigene Looks, ohne auch nur einen Gedanken an die Fashion Week zu verschwenden, es sei denn auf einer der vielen Partys, die im Rahmen der Modewoche steigen.

Echte Schneiderkunst, große Couture hingegen scheinen in der preußischen DNA nicht vorhanden zu sein, in der Geschichte dieser Stadt spielte zwar das Schneiderhandwerk, aber nie die Mode eine bedeutende Rolle und so wird es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Hauptsponsor Mercedes Benz sich mit der Fashion Week aus Berlin zurückziehen wird.