Berlin - Man kann den Mut der deutschen Kapitänin Carola Rackete nur bewundern. Gegen den massiven Druck der italienischen Regierung, vor allem vom italienischen Innenminister Matteo Salvini hat sie ihr Schiff mit Flüchtlingen an Bord in den Hafen von Lampedusa gesteuert. Sie hat erzwungen, dass die erschöpften Flüchtlinge endlich an Land gehen konnten. Dafür riskiert sie, verurteilt und bestraft zu werden. Das verdient allen Respekt. 

Trotzdem ist das, was in den vergangenen Tagen im Mittelmeer passiert, kein Ruhmesblatt - für niemand.

Salvini ging es nur um den Beifall von der rechten Seite

Rackete ging mit der "Sea-Watch 3" auf Fahrt in dem Bewusstsein, dass es, wenn sie Flüchtlinge aufnimmt, danach schwierig wird, einen europäischen Hafen anzulaufen. Es war zu erwarten, dass es am Ende einen Konflikt gibt. Und bei der erzwungenen Einfahrt in den Hafen hat sich möglicherweise das Leben von Polizisten des Schnellbootes gefährdet, das sich ihr in den Weg gestellt hat. 

Salvini wiederum zeigte mal wieder das hässliche Gesicht des Populisten, dem es weniger um die Abwehr von vielen Flüchtlingen geht, sondern um den innenpolitischen Beifall von der rechten Seite. Er musste beweisen, dass er in der Lage ist, die verschärften Migrationsgesetze durchzusetzen. Am Ende ist ihm das nur halb gelungen. 

Der Seekampf zeigt aber vor allem, dass Europa bis heute keine Antwort auf die vielen Menschen gefunden hat, die vor Not, Elend, Hunger, Krieg und Ausbeutung Richtung Europa fliehen, die sich in Nordafrika in elenden Lagern sammeln und nur auf ihre Gelegenheit warten. Solange es keine Antwort gibt, wird es weiterhin solche Auseinandersetzungen geben, wie jetzt vor Lampedusa. Das ist die deprimierende Nachricht in der guten, dass die Menschen auf dem Schiff endlich sicher an Land sind.