Für die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken ist es schlicht ein bewundernswürdiges Gedicht, „das die Schönheit der Welt einfach in fünf Wörtern erblühen lässt“. Das ist hübsch gesagt, aber selbst die Expertise der mit allen feministischen Wassern gewaschenen Autorin vermochte am Ende nichts gegen den Furor des studentischen Unbehagens ausrichten, der unbeirrt auf eine symbolische Säuberung zusteuert.

Der Auftritt der Tatortreiniger ist beschlossene Sache. Das Gedicht „avenidas“ des schweizerisch-bolivianischen Schriftstellers Eugen Gomringer, das aus der Variation der spanischen Worte für Blumen, Alleen, Frauen und Bewunderer besteht und seit 2011 die Südfassade der Alice-Salomon-Hochschule in Marzahn-Hellersdorf schmückt, muss weichen. Was einmal als stolze Ehrung für den 93-jährigen Dichter und Träger des Alice-Salomon-Poetikpreises angebracht worden war, steht seit geraumer Zeit im Verdacht, nichts weiter zu sein als eine lüsterne Männerfantasie – oder etwas, das man dafür halten kann.

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