Die Sache ist ein ziemliches Desaster – jedenfalls für die SPD-Führung um Martin Schulz. Nun hat der Berliner Landesvorstand mit großer Mehrheit gegen weitere Verhandlungen über eine Koalition mit der Union gestimmt. Da hilft es auch nicht viel, dass die Brandenburger Genossen dafür votierten. Drei Landesverbände haben bislang abgestimmt, zwei sagten: Nein. In Sachsen-Anhalt trennte beide Lager nur eine einzige Stimme, in Berlin ging es 21:8 aus.

Es gibt erst einmal zwei Verlierer des Tages. Parteichef Schulz, aber auch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, denn der ist zwar kein Fan einer neuen GroKo, soll aber gegen die radikale Ablehnung von Nachverhandlungen gestimmt haben. Damit gehörte der Regierende zu jenen acht Leuten, die überstimmt wurden – und er gehört in dieser Frage zu einer Minderheit in seinem Parteivorstand. Kein Zeichen von Stärke. Und wenn er aus bundesparteilicher Raison so gestimmt haben sollte, ist das auch kein gutes Signal an seine Stadt.

Martin Schulz als Verlierer

Für Parteichef Schulz ist die Sache natürlich noch viel bitterer. Er kann eigentlich nur noch als Verlierer aus dem ganzen Prozedere herauskommen. Der tiefere Sinn einer parlamentarischen Demokratie ist es, dass Parteien regieren. Doch man will gar nicht mehr nachrechnen, wie lange sich die führenden Politiker dieses Landes zieren, die allerliebste Arbeit von Politikern – das Regieren – endlich in Angriff zu nehmen.

Erst stieg die FDP aus – und die SPD kam mit ungeahnter Kraft zurück ins Rennen. Nun ist Schulz wieder so schwach wie am Ende des Wahlabends. Und ein Ende ist nicht absehbar. Denn die Umfragen zu Neuwahlen sehen kaum ein anderes Ergebnis.

Müssen Schulz und Merkel weichen? 

Aber es könnte doch noch spannend werden, wenn denn die Koalition zwischen SPD und Union scheitert und wenn Schulz und Merkel – die großen Verlierer der Wahl und der nachfolgenden Regierungsverhandlungen – weichen müssen.