Kommentar zur Halensee-Grundschule: Von Pädagogen sollten Kinder mehr erwarten dürfen

Es war mehr als eine wohlkalkulierte Provokation. Der Leiter der Berliner Halensee-Grundschule hatte im Namen seines Kollegiums angekündigt, dass fortan alle Klassenfahrten, Ausflüge oder Elternsprechtage entfallen. Auch die Faschingsfeier sollte nicht mehr stattfinden. Begründet wurde die Aktion mit der Frustration vieler Kollegen darüber, dass nicht alle von der angekündigten Gehaltserhöhung für Grundschullehrer profitieren, sondern nur die jungen, gerade erst ausgebildeten Kollegen.

Mit dieser Protestaktion haben die Lehrer der Schule leider bewiesen, dass sie in dem Konflikt das rechte Maß verloren haben. Sie handeln unredlich, wenn sie die ihnen anvertrauten Kinder für Gehaltsverhandlungen instrumentalisieren und benutzen. Die Schüler können ja nun wirklich nichts dafür, dass die bundesweit bisher einmalige Höhergruppierung von Grundschullehrern schlecht verhandelt wurde.

Insbesondere die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat es in den Verhandlungen versäumt, klar festzulegen, unter welchen Bedingungen und vor allem wann auch ältere Beschäftigte in den Genuss der Höhergruppierung kommen. Die einst in der DDR ausgebildeten Lehrer für die unteren Klassen hat man zudem bekanntlich komplett vergessen.

Lehrer geben bei

Erst auf Druck von Eltern und der Schulaufsicht haben die aufmüpfigen Lehrer nun von ihrer angekündigten Dienst-nach-Vorschrift-Maßnahme Abstand genommen. Gerade noch rechtzeitig. Sonst hätten sich bei den Schülern der Eindruck verfestigt, als ginge es ihren Lehrern vor allem ums Geld und als sei ihnen dafür nahezu jedes Mittel recht.

Von studierten Pädagogen sollten Kinder mehr erwarten dürfen. Bestenfalls sind sie gar intrinsisch motiviert, wie es im pädagogischen Fachjargon heißt. Das heißt: Der Lehrer geht in der besten aller Welten einer Tätigkeit nach, die er selbst tatsächlich als hochinteressant und bereichernd empfindet.

An der Halensee-Grundschule hatten die Lehrer sich zudem einfach über Eltern und Schüler hinweggesetzt. Sie beschlossen ihre Protestaktion einseitig, ohne Eltern- und Schülervertreter im entscheidenden Gremium, der Schulkonferenz, einzubeziehen. Selbstherrlich auch das.