Es sieht nach Kapitulation aus im Görlitzer Park. Nach einem halben Jahr intensiver Maßnahmen gegen den Drogenhandel muss die Polizei einräumen, dass nur neun Haftbefehle erlassen worden sind. Eine Sonderkommission, die die Polizei gebildet hatte, um das Problem Drogenhandel im Park in den Griff zu bekommen, stellt ihre Arbeit ein. Alles ist nun wieder wie zuvor.

Wer allerdings in den letzten Monaten mal in diesem Kreuzberger Park gewesen ist, weiß, dass die geringe Anzahl der Verhaftungen keineswegs den Grad kriminellen Handelns widerspiegelt. Zu jeder Tageszeit wird der Besucher dort auf jedem seiner Schritte von jungen Männern angesprochen, die Drogen zu verkaufen haben. Ungerührt stehen sie der Präsenz von Ordnungshütern gegenüber. Sie verlassen nicht einmal die Wege, wenn Polizeibeamte vorüberlaufen. Die Drogen haben sie ja nicht in der Hosentasche. Ist die Streife weg, brummt das Geschäft wieder.

Es mag sein, dass dies mit einem ausgedünnten Sicherheitsapparat zu tun hat, wie die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus findet. Das allerdings kann kein Grund sein, gleich die ganze Maßnahme einzustellen. Dass allein mehr Polizei einen dealerfreien Görlitzer Park bewirken könnte, muss außerdem bezweifelt werden. Dealer sind da, weil es Kunden für ihre Ware gibt. Und diese sind nicht identisch mit jenen Eltern, deren Kinder schon Drogenpäckchen gefunden haben.

Wer etwas ändern will, sollte anerkennen, dass die Situation etwas mit der Perspektivlosigkeit afrikanischer Flüchtlinge in dieser Stadt zu tun hat. Viele der Dealer gehören zu diesem Personenkreis. Wir brauchen Antworten auch auf diese Fragen. Kapitulation ist keine Option. Wer die Verhältnisse im Park hinnimmt, müsste konsequenterweise nämlich auch die entsprechenden Gesetze in die Tonne treten.