Berlin - Aus Sicht von Umwelt-Staatssekretär Christian Gaebler war es ein gelungener Akt der vorgezogenen Bürgernichtbeteiligung: Schlau setzte er eine Woche bevor die Gegner der Gaslaternenelektrifizierung zu einer Diskussion laden (Montag 21. Mai, 19.30 Uhr im Rathaus Charlottenburg) einen Pressetermin an, um für Jessica (wer nennt heute noch freiwillig etwas Jessica?) zu werben, die neue Peitschenmastlaterne mit dem preisgünstigen, klimaschonenden, meist etwas ins Grünliche lappenden Leuchtstofflampen-Licht.

Wenn es dazu führt, die im warm-gelblichen Schimmer der Gaslaternen immer etwas in Sepia getauchten und daher schlecht zu erkennenden Hundehaufen künftig schärfer zu konturieren, spräche das natürlich für Elektro-Jessica. Ansonsten fragt man sich schon, warum jetzt noch auf quecksilberhaltigen Leuchtstoff gesetzt wird, statt die absehbar nächste Stufe der Lichttechnik, nämlich die LED abzuwarten. Die Preise für die Leuchtdioden purzeln. Sie ließen sich vielleicht sogar in die formschönen alten Gaslaternen integrieren und könnten Lichtfarben nach Wunsch erzeugen. Natürlich sind 9200 Tonnen weniger Kohlendioxid durch Jessica gut für die Umwelt, fehlen nur noch einige Millionen Tonnen jährlich, für deren Reduzierung Rot-Schwarz mangels Klimaschutzkonzept für den Gebäudebestand leider kein Konzept hat.

Dann ist noch zu fragen, wie wichtig Straßenlaternen künftig überhaupt sein werden. Neue Innenstadtbauten kommen kaum noch ohne weiße oder quietschbunte Fassadenbeleuchtungen aus, die im Einzelfall interessant sind, in der Masse aber nerven und das nächtliche Stadtbild verunzieren. Lili Marleen würde heute mutmaßlich die Orientierung verlieren.