Für den Besitzer der Kreuzberger Cuvrybrache hätte es keine bessere Lösung geben können: Bewohner des Hüttenlagers selbst sollen dort nach einem Streit ein Feuer gelegt haben. Niemand kam zu Schaden, aber die Besetzung ist bis auf Weiteres beendet. Nach der Räumung des Oranienplatzes und der Gerhart-Hauptmann-Schule gibt es nun kein Lager von Flüchtlingen oder anderen Gestrandeten mehr im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Die Frage ist: Wie lange wird das so bleiben? Drei Tage, drei Wochen, drei Monate, drei Jahre? Wir wissen es nicht. Aber wir können uns sicher sein, dass es neue Lager geben wird in der Stadt, früher oder später. Solche, die als Protest gemeint sind, und solche, die der puren Not geschuldet sind.

Städte leben nicht schlecht mit den Gestrandeten

In Städten wie Rom oder Lissabon sind solche Lager längst Teil der Stadt. All jene, die keinen anderen Platz finden, eignen sich Brachen an, besetzen leere Kaufhäuser oder andere Ruinen und führen dort ein Leben, das sich von dem in ihren Herkunftsländern nicht wesentlich unterscheidet.

Sie haben nicht viel zu verlieren und kaum etwas zu gewinnen. Diese Menschen werden nicht einfach verschwinden, und sie werden auch dann nach Deutschland kommen, wenn ihre Herkunftsländer für sicher erklärt werden – so wie Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina am Freitag.

Die Städte aber leben mitunter gar nicht schlecht mit den Gestrandeten. Sicher, einige gehen kriminellen Aktivitäten nach. Sehr viele andere nicht. Die Schattenwirtschaft nimmt sie auf, und die Bürgerschaft profitiert davon. Sie putzen unsere Klos, sie waschen unsere Teller, sie bauen unsere Häuser. Wir stoßen sie herum. Und atmen auf in unserer Ratlosigkeit, wenn sie für einen Moment aus unserem Blickfeld verschwinden.