Kommentar zur S-Bahnstation „9. November 1989“: Bornholmer Straße bleibt!

Berlin - Man stelle sich folgende Situation vor: Eine japanische Touristin fragt nach dem Weg: „Können Sie mir sagen, wie ich zum S-Bahnhof 9. November 1989 komme?“ Oder es geht um eine Verabredung per SMS „am S-Bahnhof 9. November 1989“.
Beide Situationen werden nicht eintreten. Zum Glück! Denn die Deutsche Bahn hat es abgelehnt, den S-Bahnhof Bornholmer Straße in S-Bahnhof 9. November 1989 umzubenennen.

Der Bezirk Pankow hatte die Bahn, der die Berliner S-Bahn gehört, um einen neuen Namen gebeten. Gerade jetzt, im 25. Jahr des Mauerfalls, wäre das ein wichtiges Signal gewesen, sagt Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) und ärgert sich über das Argument der Bahn, der S-Bahnhof Bornholmer Straße sei als ehemaliger Grenzübergang ein geschichtsträchtiger Ort. Gern würde Köhne aber an den Tag des Mauerfalls erinnern und nicht an die Zeit der Mauer.

So lobenswert das Geschichtsbewusstsein der Pankower Kommunalpolitiker auch sein mag, ein S-Bahnhof ist der falsche Ort, um an politische Weltereignisse zu erinnern, wie an jenes, als am späten Abend des 9. November 1989 am Grenzübergang Bornholmer Straße tausende DDR-Bürger nach West-Berlin strömten. Die Mauer war geöffnet.

Bahnhöfe heißen nach den Städten, in denen sie liegen, nach Ortsteilen, umliegenden Straßen, Plätzen und markanten Sehenswürdigkeiten. Ortsunkundige können sich an diesen Namen orientieren, sie sind eine wichtige Hilfe, sich in fremder Umgebung zurechtzufinden. Wer am S-Bahnhof Bornholmer Straße aussteigt, steht auch gleich auf dieser Straße. So soll es bleiben. Auch deshalb, weil etliche Berliner sofort an jene Nacht im November 1989 denken, wenn sie den Namen Bornholmer Straße hören.