Berlin - Jeden Tag geben Väter und Mütter ihre Kinder in die Obhut von Grundschulen. Sie übertragen die Fürsorge für ihre Kinder an die Schulen und sie erwarten, dass diese dort geschützt werden. Der Übergriff eines wildfremden Mannes an einer Weddinger Schule hat das Vertrauen der Eltern erschüttert. Ihr Wunsch nach mehr Schutz ist deshalb verständlich. Es ist ein Reflex.

Die Vorschläge der CDU für verschlossene Türen, Videoüberwachung und Hausmeisterassistenten mit Sicherheitszertifikat und Bewachungserlaubnis bedienen diesen Reflex. Für mehr taugen sie allerdings nicht. Ein entschlossener Täter wäre so nicht aufzuhalten. Bestenfalls würde er sich scheuen, die neuen Hindernisse zu überwinden. Er würde sich anderweitig umsehen – zum Beispiel auf Schulwegen.

Wie weit also sollen wir gehen? Folgt man der Logik des CDU-Vorschlags, müssten Eltern ihre Kinder künftig rundum bewachen. Sie dürften nicht allein zur Schule gehen, nicht allein draußen spielen oder zum Sport unterwegs sein. Jeder männliche Betreuer eines Freizeitvergnügens müsste polizeilich überprüft werden. Das alles ist weder machbar noch im Sinne einer Erziehung zur Selbstständigkeit wünschenswert.

Wozu sind also die CDU-Vorschläge gut? Sie suggerieren ein mehr an Sicherheit, ohne dieses Versprechen einlösen zu können. Wenn Bewacher und verschlossene Türen einige Eltern beruhigen, sei ihnen dieses Gefühl gegönnt. Wir anderen werden wie bisher unseren Kindern beibringen, dass es Triebtäter gibt und dass im Ernstfall nur schreien, beißen und wegrennen helfen kann. Verschlossene Schulen helfen uns nicht.