Berlin - Dreist, dreister, Giffey. Den Superlativ hat sich die Familienministerin durch ein Interview mit dem Tagesspiegel verdient. Sie forderte ausgerechnet jetzt in dem Gespräch mit Blick auf die zerrüttete SPD: Die Partei solle wieder stärker für Ordnungs- und Leistungsprinzipien eintreten. Regeln seien wichtig, so Giffey, weil „die Leute frustriert werden, wenn sie selber ein Parkticket bekommen, aber der Drogendealer an der Ecke weitermacht“.

Ordnung! Leistung! Regeln! Fairness!, fordert Giffey also. Dabei steht sie doch gerade selbst unter Verdacht, Regeln, die für alle gelten, nicht eingehalten zu haben. Plagiatsjäger werfen ihr vor, dass sie auf 76 von 205 Seiten ihrer Doktorarbeit plagiiert – also zu gut Deutsch: abgeschrieben – hat, dass sie diese Übernahmen nicht oder falsch gekennzeichnet und auch sonst bei den Quellenangaben einige Fehler gemacht hat.

Zuletzt ließ Giffey von ihrem Anwalt mitteilen: Sie habe sich nach einer irgendwie lockereren, „amerikanischen“ Zitierweise gerichtet. Nur gibt es die nicht. Ob in Amerika oder Deutschland, an jeder Uni, in jeder Abschlussarbeit, ob Bachelor oder Doktor, gilt: Wer die Ideen oder Worte eines anderen Autors übernimmt, der muss exakt angeben, aus welchem Buch und von welcher Seite. Punkt. Regel ist Regel.

Noch hat die Freie Universität, an der Giffey ihre Doktorarbeit über Europa schrieb, nicht ihr Urteil gefällt. So lange gilt die Unschuldsvermutung. Sollte in dem Fall aber gegen Giffey entschieden werden, hat sie sich mit diesem Interview nicht nur komplett unglaubwürdig gemacht, sondern auch ihrer Partei geschadet, der sie helfen will. Und schon jetzt dürfte die Lektüre für Studenten und Doktoranden einen schalen Beigeschmack haben.