Berlin - Falls es noch eines Beweises bedurft hätte, wie die Herren Sozialdemokraten Wowereit und Müller mit ihrer Parteibasis und mit dem bereits manifestierten Bürgerwillen umzuspringen pflegen, so ist er jetzt erbracht. Für diese Klarstellung sollte man vielleicht gar nicht so undankbar sein.

Derselbe Senatschef Klaus Wowereit und eben jener Ex-Landesparteichef Michael Müller, die in den vergangenen Wochen die gemeinsame Linie der Berliner Sozialdemokraten in Partei, Fraktion und Senat so eindringlich und mit Engelszungen beschworen, als ginge es um die Lehre von der Dreifaltigkeit – eben sie nutzen jetzt, ohne Not, die erste Gelegenheit nach ihrer beider Niederlage auf dem Parteitag, um den neuen, unbequemen Mitspielern an der Spitze von Partei und Fraktion mal so richtig zu zeigen, was Durchregieren bedeutet.

Keine Regierungskunst

Die S-Bahn wird (teils) ausgeschrieben. Basta. Auch wenn die SPD-Fraktion noch prüfen wollte, wenigstens ein paar Wochen. Auch wenn in Berlin bereits 30.000 Unterschriften für eine S-Bahn in öffentlicher Hand gesammelt wurden. Müller selbst bot noch auf dem Parteitag vor zehn Tagen an, auf die Fraktion zu warten und schwelgte in Lobeshymnen pro Basisdemokratie.

Wowereit forderte lautstark Zusammenarbeit ein. Sie haben sich nun selbst widerlegt. Und damit auch die Chance vertan, ihre innerparteilichen Kritiker in einen unangenehmen Kompromiss zu zwingen. Das ist keine Regierungskunst. Das ist Machtgerumpel.