Alex ist drei Jahre alt, als er mit seinem Papa auf ein Vater-Sohn-Wochenende aufbricht – und ohne ihn wiederkehrt. Das Herz seines Papas hatte plötzlich aufgehört zu schlagen. Als Mama Elke kommt, um ihn vom Wochenende nach Hause zu bringen, ruft Alex: „Hey, Mädchen dürfen nicht mit.“ Da ist sein Papa längst mit dem Krankenwagen abgeholt worden.

Kinder gehen anders mit extremen Situationen um als Erwachsene. Und weil das so ist, haben Elke und Alex Barber ein Buch für Kindergarten- und Grundschulkinder geschrieben. Es handelt von ihrem Verlust, ihrer wahren Geschichte und heißt: „Kommt Papa gleich wieder?“. Darin beschreiben sie etwa die Beerdigung aus kindlicher Sicht oder klären, was passieren würde, wenn Mama jetzt auch noch stirbt und dass es okay ist, wenn auch Kinder traurig sind. Mit dem Buch haben Alex und Elke einen Weg gefunden mit ihrer Trauer umzugehen.

„Es ist immer gut, aktiv zu werden, als passiv etwas über sich ergehen zu lassen“ sagt Mechthild Schroeter-Rupieper. Als Familientrauerbegleiterin leitet sie Lavia - das Institut für Familientrauerbegleitung und hilft Familien vor, während und nach einem Verlust.

Sie erklärt, was Kinder in Zeiten der Trauer brauchen – und wie unterschiedlich sie reagieren.

Mit Kindern über den Tod sprechen

Kinder spüren, wenn ein Geheimnis in der Luft liegt und es beunruhigt sie. Der Tod gehört zum Leben dazu, das merken Kinder auch in ihrem Alltag – durch einen toten Vogel vor dem Fenster, eine vertrocknete Blume im Beet oder das Schaufenster eines Bestatters. Indem wir das thematisieren, können wir dem Thema den Schrecken nehmen. Natürlich altersentsprechend und kindgerecht.

Was macht Kinder traurig?

Kinder trauern nicht nur, wenn ein naher Verwandter stirbt, sondern auch wenn das Haustier wegläuft, der Schulfreund wegzieht oder sich die Eltern trennen. Jede Trauer hat ihre Berechtigung und sollte von den Bezugspersonen ernst genommen werden. Je unverkrampfter damit umgegangen wird, desto weniger Angst wird beim Kind geschürt.

Kindern die Angst nehmen

Angst entsteht durch Unwissen. Schroeter-Rupieper erzählt die Geschichte einer Siebenjährigen, deren Mama schwer erkrankte. „Ich erklärte ihr, dass es Krankheiten gibt, die man heilen kann und Krankheiten an denen man stirbt. Und dass die Mama so eine Krankheit hat, an der sie stirbt.“ Das Mädchen nickte. „Weißt Du, was sterben ist?“ Das Mädchen verneinte. Dann erklärte die Trauerbegleiterin es ihr. Erwachsene sollten nicht auf Fragen der Kinder warten, sondern diese Fragen antizipieren. Mit einem „Du fragst Dich bestimmt, ob...“ oder „Ich stelle mir vor, welche Gedanken du dir machst.“

Information gibt Sicherheit

Als die Mutter des Mädchens gestorben war, haben Schroeter-Rupieper und das Mädchen die Mama angeschaut. Die Trauerbegleiterin fragte: „Woran erkennen wir denn, dass die Mama nicht mehr lebt?“ Und dann stellten sie fest: Sie atmet nicht mehr. Sie bewegt sich nicht mehr. Sie ist ganz kalt. Für das Kind war klar: Aha, die Mama ist wirklich gestorben, was heißt: Sie lebt nicht mehr.

Kinder dürfen traurig sein

Weinen ist ein gesunder angeborener Reflex. Wenn wir traurig sind, weinen wir. Wenn wir fröhlich sind, lachen wir. Das ist gut so. Zu viele Menschen sagen auch heute noch: „Wein doch nicht!“ Das sei falsch, sagt Schroeter-Rupieper, genauso falsch wie ein „Freu dich doch nicht so“.

So trauern Kinder

Kinder leben in der Gegenwart. Sie können auch in Zeiten der Trauer spielen und kurz glücklich sein – weil sie es sich erlauben. Daran scheitert es bei den Erwachsenen. Sie denken: Ich kann doch jetzt nicht fröhlich ins Eiscafé gehen, wo mein Partner gerade gestorben ist. Erwachsene erfassen die Dramatik des Endgültigen. Kinder denken bis zu den Sommerferien oder bis Weihnachten. Sie können also zwischendurch unbeschwert sein. Das heißt aber nicht, dass sie weniger trauern.

Das Alter der Kinder ist entscheidend

Kinder trauern je nach Alter unterschiedlich. Ab sechs Jahren wissen Kinder, dass es den Tod gibt, dass Menschen sterben, wenn sie alt oder krank sind oder wenn sie einen Unfall haben. Sie wissen das vom Kopf her, aber noch nicht vom Herzen, sagt Schroeter-Rupieper. Noch Elfjährige wünschen sich in Gebeten ihre Mama zurück. Viele Jugendliche hätten dann einen Moment mit 12 oder 13, in dem sie plötzlich wie durch einen Ruck begriffen: Mama kommt wirklich nie wieder. Das ist eine Sache der Hirnreife.

Kinder trauern unterschiedlich

Manche Kinder gähnen und sind müde, weil sie die Trauer stresst. Schlaf bedeutet auch einen Rückzug aus der Situation. Manchen Jugendlichen hilft Sport. Dann gibt es die Mutmacher, die Optimisten, die sagen: Das wird schon alles wieder. Aber es gibt auch die, die weglaufen oder solche, die anlehnungsbedürftig sind. Oder solchen die wütend werden. Und unruhig.