Kommunikationsteams zum 1. Mai: Polizei will Gespräche auf Augenhöhe

Berlin - Wie sehen Sie Ihre Aufgabe bei großen oder schwierigen Demonstrationen?

Wir wollen das Handeln der Polizei transparent machen und über unsere Arbeit informieren. Wir zeigen, hier ist ihre Polizei und wir sind auch ansprechbar für sie. Dahinter steht die Philosophie: Wir haben nichts zu verbergen und sind versammlungsfreundlich. Wir sehen uns am 1. Mai als Bindeglied zwischen der Polizei und den Anwohnern, den Händlern oder den Fest- und Konzertbesuchern.

Warten Sie darauf, dass Sie angesprochen werden oder ergreifen Sie die Initiative?

Wir wollen aktiv auf Leute zugehen. Natürlich kann es auch Situationen geben, wo jemand dann sagt: „Lass mich in Ruhe, Du stehst mir in der Sonne.“ Dann werde ich natürlich nicht weiter nerven. Aber man bekommt auch einen Blick dafür, mit wem man reden kann. Junge Touristen, die auf aufregende Erlebnisse aus sind, wollen oft ein Foto mit uns. Das machen wir dann auch, und dann kommt man eben ins Gespräch, auch über den 1. Mai, das Anliegen und Probleme wie Krawalle.

Was sagen Sie potenziellen Randalierern?

Man darf nicht oberlehrerhaft daherkommen, sondern muss sich der Sprache der Menschen anpassen, sie gleichzeitig aber auch respektieren. Wir sagen dann auch mal sowas wie: „Hey Leute, nachher, wenn es dunkel ist, bleibt's aber friedlich.“

Wann wird es für ihr Team kompliziert?

Es gibt schwierige Situationen. Da wird zum Beispiel eine Straße von Demonstranten blockiert. Das sind oft Leute, die uns nicht sehr freundlich gesonnen sind. Ich versuche eigentlich immer, Leute nicht zu nerven, aber da bin ich dann schon mal penetrant und spreche die vier-, fünfmal an. Wenn einer dann von der Straße geht, weil er genervt ist, dann ist er immerhin weg. Das ist für alle besser als ein Polizeieinsatz, der deutlich robuster ist.

Welche Eigenschaften sollten ihre Leute mitbringen?

Die Kollegen müssen stressstabil sein und schon mal einen Spruch einstecken können. Wichtig ist auch, dass man die Perspektive wechseln kann und sich in den Anderen hineinversetzen kann. Bei den Flüchtlingen am Oranienplatz war das so. Da überlegte ich, wie würde ich reagieren, wenn meine Familie tot wäre und ich auf der Flucht wäre. Dann relativiert sich manches Verhalten.

Wann ziehen sich Ihre Teams zurück?

Wir haben ja weder einen Helm noch eine Schutzausrüstung. Wenn es gefährlich wird, müssen wir gehen. Die Gesundheit der Kollegen geht vor. Wenn einer von uns durch einen Steinwurf verletzt werden würde, weil ich die Gefahrenlage nicht richtig eingeschätzt habe, würde ich mir mit Sicherheit Vorwürfe machen. (dpa)