Kommunismus habe Millionen von Menschen immer wieder Tod, Folter, Unterdrückung und Unfreiheit gebracht, schrieb der FDP-Politiker und Justizminister Marco Buschmann (FDP) neulich auf Twitter. Wer von Kommunismus rede, aber diese Tatsachen verschweige, scheine die Geschichte nicht zu kennen, so Buschmann.

Der deutsch-israelische Psychologe und Autor Ahmad Mansour zeigt sich ebenfalls empört: Wie kommt es im Jahr 2022 dazu, dass Kommunismus in Deutschland als echte Alternative gehandelt wird? „Vielleicht weil Totalitarismus nicht nur Rechtsaußen ein Thema ist?“

Ein Thema mit einer großen Sprengkraft

Eines steht fest: das Thema hat eine große Sprengkraft - obwohl der Hintergrund eher harmlos wirkt. Die Lyrikerin Elisa Aseva sagte kürzlich dem Deutschlandfunk Kultur, gefragt nach ihrer Einstellung zum Kommunismus, sie glaube, „dass wir den Kommunismus haben müssten, wenn wir eine Zukunft für alle wollten.“ Sie verstehe es, wenn die Leute empfindlich auf das Thema reagieren, aber sie sei unter „verstoßenen Kindern der deutschen Gesellschaft und ganz vielen Flüchtlingskindern“ aufgewachsen, denen das Leben nicht immer Chancen bereite.

Ein paar Sätze fallen unzensiert in einem Gespräch über die Gedichte und die persönliche Laufbahn der Autorin und provozieren ein großes Echo, gemischt mit einem richtigen Shitstorm. Die aktuellen wirtschaftlichen Probleme verschärfen nur die Debatte.

Die Twitter-Bloggerin Anabel nannte den Deutschlandfunk gleich eine „Sch**ssbude“. „Der Kommunismus hat auch genug Menschen auf dem Gewissen“, pochte die Bloggerin.

„Eure Zwangsgebühren bei der Vortäuschungsarbeit von Kommunikation mit Kritikern, wenn Kommunismus als wünschenswert und Deutschland als ‚Schrottgesellschaft‘ bezeichnet wird“, empörte sich seinerseits der Journalist Rainer Meyer, der auf Twitter unter dem Pseudonym Don Alphonso schreibt.

Der Grünen-Politiker Volker Beck steuerte seinerseits bei, dass es keinen guten Kommunismus gebe, weil Kommunismus Gewalt brauche. „Koketterie mit dieser antidemokratischen Idee“ sei weder lustig noch intellektuell originell.

Auch Ex-Bild-Chef Julian Reichelt, nun ein Medienmanager auf freiem Fuß, ironisierte in seiner Art zu dem Thema. Diesmal werde es ein sanfter, menschlicher Kommunismus, so Reichelt, wo wirklich nur die ermordet werden, die der Gesellschaft keine andere Wahl ließen.

„Wehret den Anfängen! Nie wieder Sozialismus! Nie wieder Kommunismus!“, protestierte eine weitere Twitter-Nutzerin, während viele direkt die DDR oder Elisa Aseva persönlich wegen der „menschenverachtenden Ideologie“ anprangerten.

Elisa Aseva zeigt sich inzwischen von den Angriffen beleidigt. Sie appelliert an die Buch- und Kulturbranche und bittet sie indirekt um Unterstützung in einem Diskurs, in dem sie als Autorin und schwarze Frau verheizt werde. „Über Tage Wut und Angriff, aber kaum Solidaritätserklärungen, wenn eine schwarze Frau über das notwendige gegen die Barbarei spricht“, bemängelt die Autorin am Mittwochnachmittag auf Twitter.

Die Lyrikerin hat auch Unterstützer

Die Vielfalt der Reaktionen zeigt jedoch, dass sie schon genug Unterstützer hat unter den Menschen, die den Kommunismus differenzierter sehen und ihn nicht direkt mit den Verbrechen der Diktaturen verbinden - allerdings nur aus dem linken Spektrum.

„Du hast Marx nie gelesen & bei Kommunismus fällt dir nur Gulag ein?“, reagiert etwa der Linken-Politiker Niema Movassat auf die Kritik am Kommunismus - und stellt ihm den Kapitalismus entgegen. Demokratie und Kapitalismus seien keine Synonyme, beharrt der Linke, denn sonst hätten Großkonzerne nicht so viel politische Macht. Was man stattdessen brauche, sei „eine echte Demokratie“, in der alle Teile der Gesellschaft „demokratisiert“ sind.

„Antikommunismus ist gesellschaftlich so weit verbreitet“, argumentiert ihrerseits die Rechtsextremismus-Expertin Veronika Kracher von der Amadeu Antonio Stiftung - „Weil der Kapitalismus ihn braucht, um sich als unausweichlich darzustellen, um zu suggerieren dass es normal sei, dass Menschen nichts zu fressen haben, während Milliardäre zum Schwanzvergleich Raketen ins Weltall jagen“.

Der linke Karl Dietz Verlag Berlin legte nach: Der Kommunismus sei nicht ein Zustand, der hergestellt werden solle, und nicht ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben werde. Sondern er sei „die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.“