Berlin - Stephanie Illouz sitzt im Nathanja und Heinrich, einem Café in der Neuköllner Weichselstraße. Das Publikum ist hip, jung, viele Expats kommen hier her, die Wände sind unverputzt, das Mobiliar ist wacklig und die Atmosphäre charmant und ungezwungen. Hier hat sich eine Szene entwickelt, die wie eine Insel ist: Man spricht englisch und betrachtet Berlin als Ausgangspunkt für alle möglichen Optionen, das eigene Leben zu gestalten.

Illouz passt gut hier her und dann auch wieder nicht. Gut, weil sie, geboren in Israel in der Nähe von Tel Aviv mit einer französischen Mutter und einem israelischen Vater, ganz perfekt in das Bild vom polyglotten Expat passt, der in der deutschen Hauptstadt ein aufregendes und günstiges Leben führt. Weniger gut, weil Stephanie Illouz kaum eines jener Probleme hat, die junge Zuwanderer aus den Staaten, Israel oder Südeuropa hier oft plagen: Die sprachliche Hürde, Probleme, einen Job zu finden, die deutsche Bürokratie.

Einzigartige Kuchen

Illouz, 32, spricht zwar kaum deutsch, hat aber aus eigener Kraft ein Unternehmen auf die Beine gestellt, von dem mancher Muttersprachler nur träumen kann: Stephanie Illouz backt Kuchen, die sie auf ihrer eigenen Website anbietet, was an sich schon interessant ist, denn Israel ist nicht gerade berühmt für gute Konditorei. Und Illouz backt Kuchen und Torten, wie man sie in Berlin sonst wohl kaum noch einmal findet.

Unter dem Motto „One of a kind cakes“ – also einzigartige Kuchen, bietet Illouz wahre Kuchenkunstwerke an: knallbunte, opulente Torten, verziert mit echten Blumen. Mehrstöckige Hochzeitskuchen wie Zucker-Schlösser, Kuchen mit salzigem Karamell, Backwerk mit Einhornverzierungen und Törtchen, so klein und fragil, dass man sie eigentlich nur ansehen, doch nie essen will.

„Ja, das ist auch schon vorgekommen, dass Kunden die Torte zweimal bestellt haben, weil sie nach der ersten bemerkt haben, dass sie zu schön zum Essen ist“, lacht Illouz im Nathanja und Heinrich, wo sie oft herkommt, um sich Rezepte auszudenken oder Kuchenideen zu skizzieren. Hier hätte sie zum einen Ruhe, und zum anderen mag sie das Café und seine etwas abgerockte Atmosphäre als Kontrast zu ihren barocken Backideen.

„Skulpturen sind mir ja vertraut“

Seit zwei Jahren betreibt sie nun ihren Online-Shop. „Ich bin gelernte Bildhauerin und nach Berlin gekommen, um herauszufinden, was ich eigentlich will. Meine Torten sind auf jeden Fall das Ergebnis dieses Prozesses, und Skulpturen sind mir ja vertraut, auch wenn sie aus Teig sind“, sagt sie und betont, dass das alles einfach so passiert sei. Backen hätte sie nicht von der Pike auf gelernt, sondern durch stundenlanges Zusehen, wenn ihre Mutter in der heimischen Küche gebacken hat: „Ich war immer dabei, wenn sie in der Küche war, und habe mir alles abgeschaut, egal, ob es Kartoffelnschälen ist oder wie man Schokolade richtig zum Schmelzen bringt“.

Sechs Wochen Im Voraus müssen die Kuchen bestellt werden, der kleinste mit acht Stücken kostet rund 60 Euro und große Torten 170 Euro. Nach oben hin gibt es indes kaum eine Grenze, je nach Wunsch des Kunden. Schon die kleineren Kuchen brauchen mehrere Stunden bis sie fertig sind: Vorbereitung und Idee, das Backen, mehrere Abkühlvorgänge und Glasurschichten, die Dekoration und deren Auswahl sind zeitaufwendig, weswegen Illouz in einem Studio in Neukölln immer mehrere Kuchen gleichzeitig backt. Der Kunde kann seine eigenen Ideen bei einem Vorgespräch mitteilen: Form, Farbe, Größe, Stückzahl, Vorlieben. Nur bei den Zutaten, der überraschenderweise nicht allzu süßen Torten, lässt die Bäckerin nicht mit sich reden: „Vegan kann und will ich nicht backen – das schmeckt einfach nicht“.