Berlin - Die Strategie der AfD, in Vereinen, Schulen und Betrieben Fuß zu fassen, hat bereits zu Verwerfungen geführt. Im Förderverein der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen kam es zu Streit und einer Amtsniederlegung, als der AfD-Vorsitzende Georg Pazderski eintreten wollte. Stephan Hilsberg, Mitglied im Vereinsvorstand, Mitbegründer der DDR-SPD und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, mahnt im Umgang mit der Aufnahme von AfD-Mitgliedern zur Vorsicht.

Anlass seiner Mahnung ist der Rücktritt der Vereins-Schriftführerin Christine Sauerbaum-Thieme im Mai. Wie erst jetzt öffentlich wurde, hatte sie ihr Amt aufgegeben, nachdem der Vorstand mehrheitlich gegen die Aufnahme Pazderskis war, eine Mitgliederversammlung sich aber mit großer Mehrheit dafür aussprach.

Sauerbaum-Thieme erklärte jetzt – Monate später – auf der Facebook-Seite des Vereins: „Wenn Mitglieder einer rechtspopulistischen Partei in einen Verein wie den Förderverein der Gedenkstätte eintreten wollen, verbinden sie damit auch eine Realisierung ihrer politischen Arbeit, wollen sich ein ,bürgerliches’ Antlitz geben.“ Im Übrigen fände sie es auch nicht gut, wenn ehemalige SED-Mitglieder aufgenommen würden.

Ihr Amtsnachfolger Stephan Hilsberg ist in der Angelegenheit hin- und hergerissen. Er sagte der Berliner Zeitung: „Man kann nicht allein nach der Parteimitgliedschaft über die Aufnahme entscheiden und der AfD mit einer Ablehnung noch einen Gefallen tun.“

Der Konflikt eskalierte

Auf der anderen Seite müsse man darauf achten, wer da im Verein mitmachen wolle: „Es ist kein Zufall, dass eine Reihe von AfD-Anhängern eingetreten sind. Das tun sie auch woanders.“ Heimlich gehen sie dabei nicht vor, wie Pazderskis Aussagen beim Parteitag am vergangenen Wochenende zeigen.

Sauerbaum-Thieme zeigte sich auch enttäuscht vom Verhalten des Gedenkstättenleiters Hubertus Knabe: Der habe die Angelegenheit bei der Mitgliederversammlung heruntergespielt. Nur eine Frau habe ihr dort zur Seite gestanden.

Knabe erklärte der Berliner Zeitung: „Der Konflikt war derartig eskaliert; die Gefahr bestand, dass der Verein auseinanderbricht.“ Er habe damals gesagt, das sei die Angelegenheit nicht wert gewesen. Der Verein sei seiner Anregung gefolgt und habe die Satzung geändert: Mitglied könne nur sein, wer sich klar für die freiheitlich-demokratische Grundordnung ausspreche und sich entschlossen für die Aufarbeitung der beiden deutschen Diktaturen einsetze. Diese Regelungen könnten jetzt auch als objektive Kriterien für einen Vereinsausschluss dienen.