Berlin-Steglitz - Der Konflikt um das Beschwerdeportal der Berliner AfD-Fraktion eskaliert: Die Berliner Polizei ermittelt nun wegen Schmierereien und herabwürdigender Briefe am Steglitzer Fichtenberg-Gymnasium, wie eine Polizeisprecherin am Mittwoch bestätigte. Schulleiter Andreas Steiner und das Kollegium hatten zuvor Strafanzeige wegen Sachbeschädigung mit politischem Hintergrund gestellt.

Verfasser möglicherweise unter Schülern

Mit drei Plakaten und anonymen Schreiben sei die Schule seit Monatsbeginn angefeindet und verleumdet worden, teilte das Lehrerkollegium ebenfalls am Mittwoch mit. Schulleiter Steiner und sein Kollegium setzen sich seit Wochen entschieden gegen das Beschwerdeportal der AfD zur Wehr, das Schüler dazu aufruft, politisch einseitig agierende Lehrer zu melden. Lehrer und auch Schüler protestierten dagegen mit Plakaten am Schulgebäude an.

In der Nacht zum Freitag brachten Unbekannte im Umfeld der Schule – an Bäumen, am Baugerüst und auch auf dem Hof – mehr als 20 Briefe an, die sich direkt an Steiner und das Lehrerkollegium richten: „Sollten Sie wiederholt versuchen, sich hinter Ihrer Tugendprahlerei zu verstecken ... müsste für jeden Schüler deutlich werden, um was für eine linkspopulistische Gedankenschmiede es sich bei ihrer Schule handelt“, heißt es dort.

Die Schule wird als „ideologischer Multiplikator linker Dogmen“ bezeichnet. Schüler können dort angeblich keinen kontroversen Prozess der Meinungsbildung durchlaufen. Der Brief endet mit „Heil A. Steiner, dem antirassistischen Schulführer!“. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen und schließt nicht aus, dass die Verfasser möglicherweise auch unter den Schülern zu finden sind.

"Zeit des Nationalsozialismus nicht als kleinen ,Vogelschiss’ behandelt"

Zudem wurde ein Plakat am Baugerüst der Schule mit schwarzer Farbe beschmiert worden, auf dem in bunter Schrift „Wir sind weltoffen – und finden’s geil!“ stand. Auch die Zahlenfolge „1147“ tauchte auf, was Szenekennern zufolge verschlüsselt „Anti-Antifa Deutscher Gruß“ bedeutet. Anfang Dezember bereits tauchte ein Plakat an der Schule auf, das dem Schulleiter "politische Indoktrination vorwarf. Die Schule selbst hatte zuvor ein Plakat aufgestelt, auf dem in blau-roter Schrift, angelehnt an das AfD-Logo, stand: „Wir sind nicht Eure Spitzel. Spart Euch Eure Petzplattform.“ Und es gab noch weitere Vorfälle.

Schulleiter Steiner hatte das zuletzt genannte Plakat auch in seinen Newsletter als Foto gezeigt. Genauso verbreitete er dort auch die von der Initiative Bildet Berlin! erarbeitete 11-Punkte-Selbstbezichtigung weiter. „Wir gestehen, dass wir die Zeit des Nationalsozialismus nicht als kleinen ,Vogelschiss’ behandelt haben, sondern als das, was sie war: Ein verbrecherischer, undemokratischer und zutiefst menschenrechtsverletzender Teil der deutschen Geschichte“, heißt es dort bezugnehmend auf eine Äußerung von AfD-Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland.

Demokratiefeindliche Ansichten müssten Lehrer benennen dürfen

Manch anderer Schulleiter hatte es Kollegen verboten, diese Selbstbezichtigung samt Unterschriftenliste im Lehrerzimmer aufzuhängen. Weil eine Unterschriftensammlung die Neutralitätsverpflichtung von Landesbediensteten verletze. Nichtsdestotrotz haben inzwischen fast 2000 Lehrer dort unterschrieben, wie Bildet Berlin! jüngst mitteilte. „Es besteht für uns keine Pflicht zur politischen Neutralität“, teilten die Lehrer des Fichtenberg-Gymnasiums mit. Rassistische, diskriminierende, demokratiefeindliche und geschichtsrevisionistische Ansichten müssten Lehrer benennen dürfen.