IHK Berlin: Energiepreise gefährden Jobs und Betriebe

Die Berliner Industrie- und Handelskammer erkundigte sich bei Hauptstadt-Unternehmern nach deren Aussichten. Die Antworten waren so trostlos wie lange nicht.

Drei von vier Bäckereien betreiben ihre Backöfen mit Gas.
Drei von vier Bäckereien betreiben ihre Backöfen mit Gas.dpa/Sebastian Willnow

Nachdem die Investitionsbank Berlin der hiesigen Wirtschaft gerade erst zwar „Abkühlung“, aber doch überdurchschnittliches Wachstum zumindest f��r 2022 prophezeite, schlägt die Berliner Industrie- und Handelskammer nun mit den Ergebnissen ihrer jüngsten Konjunkturumfrage unter Hauptstadt-Unternehmen Alarm. „Die aktuellen Zahlen unterstreichen, wie ernst die Lage ist“, sagt IHK-Präsident Sebastian Stietzel. Immer mehr Berliner Arbeitsplätze seien durch gestiegene Energiepreise gefährdet. „Eine weitere Verschärfung der Preiskrise kann für viele Betriebe existenzbedrohend sein.“

Tatsächlich trifft diese die Unternehmen zusätzlich. Denn weiterhin bezeichnen Betriebe unterbrochene Lieferketten, Fachkräftemangel, Zinssteigerungen und die Gefahr der Corona-Pandemie als bedeutsame Bremsen der Konjunktur. Dominiert wird die aktuelle Lage ihrer Einschätzung nach jedoch von der Energiekrise. Preisentwicklung sowie Liefersicherheit von Energieträgern, Vorprodukten und Rohstoffen seien so risikobehaftet wie noch nie, sagt die Mehrheit der Unternehmerinnen und Unternehmer in der Stadt. Zumal Preissteigerungen nicht immer in vollem Umfang an die Kunden weitergereicht werden könnten. Für fast die Hälfte der Unternehmen ist dies eigenen Angaben zufolge nicht möglich.

Parallel melden Berliner Betriebe, dass sie nur unter hohem Aufwand neue Energieversorgungsverträge abschließen können. Jedes fünfte Handelsunternehmen nennt Probleme bei Gaslieferverträgen, jedes sechste weiß von Schwierigkeiten vor Vertragsabschluss mit einem neuen Stromlieferanten zu berichten. In der Industrie überwiegen Probleme beim Abschluss eines Stromvertrages. Davon berichten knapp 18 Prozent der Betriebe. Knapp neun Prozent der Industrieunternehmen melden Probleme bei ihrer Gasbeschaffung für das nächste Jahr.

Während acht Prozent der befragten Firmen in den vergangenen Monaten auf alternative Energieträger umgestiegen waren und knapp ein Viertel verstärkt in Energiesparmaßnahmen investierte, sehen andere Unternehmen nur drastische Maßnahmen als Ausweg. So wollen branchenübergreifend fünf Prozent der Betriebe ihre Produktion in Berlin aufgeben, jede sechste Firma ihren Geschäftsbetrieb zumindest reduzieren. In der Industrie will jeder fünfte Betrieb die Produktion drosseln, mehr als sieben Prozent sehen sich zu einer Produktionsverlagerung gezwungen.

Die Zahlen verdeutlichen, wie dauerhaft hohe Energiepreise Berlin und Deutschland als wettbewerbsfähigen Standort gefährden, heißt es bei der IHK. Eine Gasmangellage müsse unter allen Umständen verhindert werden. Denn bereits ab einer Gasdrosselung um 25 Prozent müsste fast jedes fünfte Berliner Industrieunternehmen seine Produktion vollständig einstellen, so die Prognose.

IHK-Präsident Stietzel verlangt als Konsequenz, dass alle angekündigten Lösungen auf Bundesebene für eine Gas- und eine Strompreisbremse so schnell wie möglich umgesetzt werden. Wo die Bundesprogramme Lücken lassen, müsse das Land unterstützend einspringen – „mit unbürokratischen Programmen und schnellen Verfahren“.