Berlin - Der Neuköllner Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) hat den tragischen Fall eines zu Tode misshandelten Babys in Schöneberg von einer Expertengruppe unter Beteiligung der Senatsbildungsverwaltung systematisch aufarbeiten lassen. Das Kind starb an schweren Kopfverletzungen nachdem es von seinem Vater heftig geschüttelt wurde.

Es war das erste Mal in Berlin, dass eine Behörde auf diesem Weg nach Konsequenzen forscht. Immer wieder kommt es zu ähnlichen Misshandlungen kleiner Kinder, die manchmal sogar tödlich enden. Den Abschlussbericht legte die Berliner Jugendhilfe am Donnerstag dem Neuköllner Jugendhilfeausschuss vor.

Die wichtigste Erkenntnis für Liecke: „Wir haben zu wenig Zugang zu den Männern.“ Gemeint sind nicht nur die oft sehr jungen Väter, sondern – im Falle einer Trennung – die späteren Lebensgefährten der Mütter. „Es gibt immer wieder Parallelen, wo die Männer die Auslöser der Gewalttat sind“, sagt Liecke.

Die Experten dringen in ihrem Bericht außer auf eine verbindliche Kooperation der Jugendämter mit Krankenhäusern auf die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips bei der Begutachtung der Kinder – dass also zwei Fachleute das Kind sehen. Im Fall Lena hatte das Jugendamt dieses verletzt, weil Personal fehlte. Liecke hat bereits reagiert und zum 1. November die Einsetzung eines Kinderschutzteams beschlossen. „Es soll sich speziell um akute Notfälle kümmern“, sagt er. Sieben Sozialarbeiter seien dafür neu eingestellt worden.

„Das Vier-Augen-Prinzip muss strikt eingehalten werden“, sagt Beate Köhn vom Kindernotdienst. So könnten Fehler am ehesten verhindert werden. Allein der Kindernotdienst hatte 2012 rund 170 Kinder im Alter bis fünf Jahre in die Obhut genommen. Meist ging es um Fälle von Vernachlässigung aber auch körperlicher Misshandlung.