Schönefeld schließen – davon ist schon lange nicht mehr die Rede. Denn der jetzige Flughafen wird auch künftig gebraucht, damit der BER nicht unter dem Ansturm der Fluggäste kollabiert. Ein neues Konzept der Flughafengesellschaft FBB sieht nun vor, den Standort weiter zu entwickeln. Nachdem bereits der Projektausschuss über die geplante „Betriebsoptimierung Schönefeld/ SXF“ beraten hat, wird am Freitag der Aufsichtsrat darüber sprechen.

Nach dem Konzept, das der Berliner Zeitung vorliegt, soll die jährliche Kapazität von Schönefeld in einem ersten Schritt von zwölf Millionen auf 13,5 Millionen steigen. So ist geplant, auf dem Vorfeld in Höhe des Terminals B einen provisorischen Warteraum zu bauen – ein großes Gebäude mit quadratischem Grundriss. Vorgesehen ist auch, im Terminal B die Sicherheitskontrolle umzubauen. Zudem wird im Terminal A die Gepäckanlage optimiert.

Eine zweite Ausbaustufe soll dafür sorgen, dass bis weit ins Jahr 2020 hinein pro Jahr 14 Millionen Passagiere Schönefeld nutzen können. Um das zu erreichen, lässt die FBB unter anderem den Pier 3a umbauen – das 2005 fertiggestellte Gebäude, in dem vor allem Easyjet-Passagiere auf ihre Flüge warten.

Das neue Konzept für Schönefeld ist Teil des Masterplans 2040

Wie berichtet, geht dann allerdings die Kapazität von SXF zurück, wenn auch nicht in dem Maße wie ursprünglich vorgesehen. Anlass ist der Bau des Regierungsterminals, mit dem der Bund auf dem Vorfeld beginnen will – Jahre später als anfangs geplant. Mitte 2020 wird damit begonnen, das Baufeld freizumachen und Leitungen zu verlegen.

Ende 2021 soll das Grundstück dem Bund übergeben werden, der dann den Bau starten kann. Doch im Vergleich zur bisherigen Planung gibt es einen Unterschied: Der Bund räumt dem Flughafen die Möglichkeit ein, einen 25 Meter breiten Streifen bis Ende 2025 weiter zu nutzen. So können in Schönefeld weiterhin zehn Millionen Passagiere pro Jahr starten und landen – vier Millionen mehr als bisher geplant.

Das neue Konzept für Schönefeld ist Teil des Masterplans 2040, mit dem die FBB dafür sorgen will, dass künftig pro Jahr rund 55 Millionen Fluggäste den BER nutzen können. Die Gesamtkosten des Ausbaus werden auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt. Davon sind derzeit 700 Millionen Euro gesichert, den Rest will die FBB beim Betrieb des neuen Flughafens erwirtschaften. „So sieht es unser Business-Plan vor“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

Wer soll das bezahlen?

Im FBB-Aufsichtsrat gibt es allerdings Zweifel daran, ob die Finanzierung gesichert ist. „Die Frage, ob die Finanzen wirklich reichen, ist weiter virulent“, sagte ein Mitglied des Gremiums. Er fürchtet, dass eine Lücke entsteht. Denn je länger die Eröffnung des neuen Flughafens auf sich warten lässt, desto mehr schmelzen die Finanzreserven. Für jeden Monat Stillstand am BER werden 20 Millionen Euro fällig – jeweils zehn Millionen Euro für die Baustelle und für entgangene Einnahmen. „Um das Thema Geld drücken sich alle Flughafengesellschafter“, so der Insider.

Wenn Berlin, Brandenburg und der Bund nicht zusätzliches Geld zur Verfügung stellen, lasse sich der Masterplan nicht verwirklichen. „Wer den Weiterbetrieb von Tegel auf Dauer verhindern will, muss die Erweiterung der Kapazität am BER finanziell absichern.“