Schönes Wetter, volle Züge – und viele Fahrgäste mit Fahrrädern. Jedes Jahr dasselbe Problem: Weil die Kapazitäten im Berliner Regionalverkehr für den Ansturm der Ausflügler nicht immer ausreichen, gibt es Ärger und Frust. Jetzt sucht der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) nach Wegen, das Chaos zu mildern. „Wir arbeiten an einer Fahrrad-Strategie“, teilte die neue Geschäftsführerin Susanne Henckel der Berliner Zeitung mit.

Es sind die Zwischentöne, die aufhorchen lassen – und die zeigen, für wie ernst die Planer die Situation in vielen Ausflugszügen halten. „Über Einschränkungen der Fahrradbeförderung denken wir momentan noch nicht nach“, sagt Susanne Henckel. „Momentan“ und „noch nicht“: Diese Formulierung lässt sich so auslegen, dass Einschränkungen künftig nicht mehr ausgeschlossen sind, falls sich die Lage nicht entscheidend bessert. Die VBB-Chefin machte aber deutlich, dass aus ihrer Sicht noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, das Rad-Problem anzugehen.

Mehr Infos über Mietangebote

So gebe es auf den Bahnsteigen keine Hinweise, wo sich die Fahrradabteile befinden. Dabei wären solche Informationen wichtig, damit sich Fahrgäste richtig platzieren und Verzögerungen vermieden werden. „Über dieses Thema wollen wir mit dem Bahnhofsbetreiber DB Station & Service sprechen“, kündigte Susanne Henckel an. „Über die Wagenreihung von ICE-Zügen wird informiert, für Regionalzüge gibt es solche Informationen nicht“ – obwohl für jeden Halt ein Stationsentgelt vom Zugbetreiber kassiert wird.

Der Verkehrsverbund möchte auch dafür sorgen, dass es attraktiver wird, im Umland Fahrräder zu mieten – was die Züge entlasten würde. „Zum einen wollen wir Informationen zusammenstellen, wo das überall möglich ist. Viele wissen gar nicht, wie viele Mietangebote es gibt. Zum Teil können sogar Pedelecs kostenlos geliehen werden“, sagte die VBB-Chefin. „Zum anderen wollen wir mit Vermietern darüber sprechen, ihre Öffnungszeiten den Bedürfnissen von Wochenendausflüglern anzupassen.“ Mancherorts seien die Mietstationen sonnabends und sonntags geschlossen.

Zu diesem Teil des Konzepts gehört auch, dass in Berlin mehr attraktive Möglichkeiten geschaffen werden, das eigene Rad am Bahnhof zu parken. Am Zoo wären sie sogar reduziert worden. „Die Abstellmöglichkeiten müssen verbessert werden“, sagte Henckel und kündigte Gespräche mit dem Senat an.

Kritik an kleinen Radabteilen

Sie appellierte aber auch an die Radfahrer, rücksichtsvoller miteinander umzugehen. „Ich fahre oft mit dem Zug und wundere mich zum Beispiel darüber, dass Frauen Fahrräder mit tiefem Einstieg mitnehmen“ – die schwer zu greifen und in den Wagen zu hieven sind. Henckel ärgert sich auch darüber, wenn Radfahrer nicht die Packtaschen von ihren Fahrzeugen abnehmen. Dann passen weniger in die Radabteile.

Kritiker sagen allerdings, dass auch der VBB an dem Chaos Anteile hat. Trotz steigender Beförderungszahlen seien auf einigen Linien Kapazitäten verringert worden – weil die dort vom Verbund bei Strecken-Ausschreibungen geforderten Züge kleinere Radabteile haben. Darauf weist auch der Allgemeine Fahrrad-Club (ADFC) hin. So haben die roten Triebzüge vom Typ Talent, die in den Fläming und nach Dessau rollen, verwinkelte Mehrzweckbereiche. In den Doppelstockzügen in den Spreewald behindern Haltestangen die Abstellung von Fahrrädern.

Henckel: „Wir haben nichts falsch gemacht.“ Die Züge nützten auch Fahrgäste mit Zweirädern: „Sie sind spurtstärker. Wenn das Einsteigen länger dauert, lassen sich Verspätungen besser ausgleichen.“

Wo Verbesserungen möglich sein, werde es sie geben – so werden störende Stangen entfernt. Ab 2015 werden die Züge nach Stralsund und Rostock fünf statt vier Wagen haben, und es gebe Fahrradwagen ohne Klappsitze. Doch größere Aufstockungen seien nicht finanzierbar, so Henckel. „An Wochenenden sind wir im Nu in der Bredouille. Wir werden den Spitzenbedarf nicht befriedigen können,da können wir noch so viele Klappsitze ausbauen.“