Berlin - Licht und elegant wirkt das neue Kudamm-Karree, das der britische Stararchitekt Sir David Chipperfield geplant hat – mit fünfgeschossigen Häusern, die teilweise durch filigran wirkende Brücken miteinander verbunden sind und Fassaden aus hellem Naturstein haben. Zum bisher versteckt liegenden Hochhaus führt eine offene Passage, neue Plätze laden zum Verweilen ein. Am Mittwochabend stellte die irische Ballymore-Gruppe ihr überarbeitetes Konzept für die Umgestaltung des aus den 1960er-Jahren stammenden, inzwischen ziemlich maroden Komplexes am Kurfürstendamm 206/209 vor.

Weil dazu im Stadtentwicklungsausschuss von Charlottenburg-Wilmersdorf viel Publikum erwartet wurde, war die Sitzung in den BVV-Saal im Rathaus Wilmersdorf verlegt worden. Der Berliner Theaterclub hatte heftige Proteste angekündigt, denn für das neue Kudamm-Karree sollen die historischen Bühnen, die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm (zusammen 1400 Plätze) abgerissen werden. Dafür ist eine neue Spielstätte mit 650 Plätzen geplant. Allerdings blieben die etwa 50 erschienenen Kunstfreunde doch ruhig – Gäste haben kein Rederecht im Ausschuss.

Bauarbeiten sollen 2015 beginnen

Lange sah es so aus, als würde das mehr als 500 Millionen Euro teure Projekt der Iren scheitern. Diese hatten die Immobilie, in der sich auch die beiden Theater befinden, im Jahr 2007 vom britischen Finanzinvestor Fortress für 155 Millionen Euro erworben. Seit 2009 wollten sie diese entwickeln, doch es gab, insbesondere wegen der lange nicht geklärten Zukunft für die Bühnen, zunächst Widerstand im Bezirk. Nachdem 2010 weitgehend Einigkeit erreicht wurde, war nur noch wenig von Ballymore zu hören. Denn der Investor hatte im Zuge der Finanzkrise Schwierigkeiten, Kredite für sein Projekt zu bekommen.

Nun ist Ballymore anscheinend aus seinen finanziellen Engpässen heraus und kann sich seinen Großprojekten widmen. Allein in London gibt es fünf. Auch in Berlin soll es weitergehen, versicherte Mike de Mug, Direktor bei Ballymore International, am Mittwoch. Er rechne mit einem Baubeginn für das neue Kudamm-Karree im Frühjahr 2015, Fertigstellung soll in der zweiten Jahreshälfte 2017 sein. Die Nachfrage nach Standorten im Zentrum Berlins steige international: „Wir haben uns gefreut, wie stark sich die City West entwickelt hat“, sagte er.

Gegenüber früheren Vorstellungen von Ballymore gibt es einige Neuerungen. So sind nicht mehr nur Geschäfte und Büros geplant, sondern auch Wohnungen. Diese sollen vor allem im ursprünglich als Büroturm konzipierten Hochhaus entstehen, aber auch in Wohn- und Geschäftshäusern an der Uhlandstraße. Zwischen 270 und 300 Eigentumswohnungen könnten es werden, sagte de Mug. Für Einzelhandel ist eine Verkaufsfläche von 33.000 Quadratmeter geplant. Gastronomie (7700 Quadratmeter) und Büros (3200 Quadratmeter) sind ebenfalls vorgesehen. Durch die Verlegung des bisherigen Parkhauses an der Uhlandstraße in eine Tiefgarage mit 750 Stellplätzen wird Raum für öffentliche Wege durch das 1,9 Hektar große Areal gewonnen.

Das neue Theater soll im dritten Stock eines Geschäftshauses liegen. Der Eingang wird sich, gut sichtbar, am Boulevard befinden. Martin Woelffer, der private Betreiber von Theater und Komödie am Kurfürstendamm, hat sich längst mit dem geplanten Abriss versöhnt. „Denn eigentlich ist es doch ein Traum, von David Chipperfield ein neues Theater am Kudamm gebaut zu bekommen.“ Zumal Ballymore dazu auch noch einen langfristigen, günstigen Mietvertrag bietet.