Konzerttipps für Berlin: Das freundliche Winken der Flaschensammler

Berlin - Was könnte in die Osterwoche besser passen, als eine Band, die sich seit ihrer Gründung vor fast 40 Jahren immer wieder verabschiedet und dann überraschend wieder auftaucht? Dabei gelang es The Monochrome Set immer, eigentlich auch überraschend, jeweils froh begrüßt zu werden und doch recht obskur zu bleiben. So haben sie zum Beispiel vor kurzem ihr insgesamt 12. Album „Spaces Everywhere“ (auf dem Hamburger Tapete Label) veröffentlicht, das von den wenigen, die es registrierten, sehr gelobt wurde. Der NME etwa packte sie dazu ohne Zögern in ein kleines Round-Up von Nachwuchskräften und vergab 8 von 10 Punkten unter anderem dafür, dass sie als seltener Fall „gereift“ seien, „ohne langweilig geworden zu sein“.

Drahtige Nervosität

Schönerweise heißt „reif“ in einem Fall, der schon 1978 auf einem kleinen, spielerischen Sixties-Revival ritt, nicht viel. Der Sound ist etwas fülliger geworden, ein paar der Post-Punk-Kanten scheinen leicht gerundet, aber eigentlich wirken sie so dynamisch und sparsam melodisch organisiert, aber auch genau so näselnd desinteressiert, wie man das schon um 1980 gern hatte.

Derzeit sind sie seit 2011 in ihrer dritten Inkarnation unterwegs (wenn man eine kurze Reunion zum 30. Geburtstag nicht zählt), die mit wechselnden Helfern aus dem indischstämmigen Originalsänger und Gitarristen Bid, dem zweiten Gitarristen Lester Square und seit 1980 Andy Warren am Bass besteht. Der Bandname ist Programm. Zum einen, weil er irgendwie darauf verweist, dass sie die drahtige Nervosität der Art School-Szene teilen, worauf auch Songs hinwiesen, die sich auf deutschen Stummfilm, Nouvelle Vague, Hard Bop und den Bandnamen selbst bezogen, nach Porträtmalerei klangen oder sich über Filmzombies, Liebe und den grauen Alltag lustig machten. Natürlich hatten sie mit Tony Potts auch einen Filmemacher für die Liveshows als inoffizielles Bandmitglied.

Zum anderen entzogen sie tatsächlich der Garagen-Ästhetik der Sechziger das blumig oder schnörklig Bunte. Die Gitarren klingelnd, aber eher scharf, der Bass (auch wenn man mal beweglich mit Skarhythmik flirtet) stur, die Drums amphetaminisch effektiv – kühle Eleganz als neue Nische attestierte 1980 im Musikmagazin Sounds Detlef Diederichsen, heute Musikchef des Haus der Kulturen der Welt. Zumindest in der Kultur des Post-Punk wiederum ist dieses smarte, unerschüttert coole Quartett zweifellos ein Welterbe.

Daher spielen sie natürlich im Monarch am Kotti, aus dessen Aussichtsfenster der Bassist vielleicht beim Spielen wieder – wie im letzten Jahr – das freundliche Winken der platzansässigen Flaschensammler erwidern kann. (Mo, 6.4. und Di, 7.4.) Zur lieben Gewohnheit ist es mir mittlerweile geworden, begeistert darauf hinzuweisen, wenn Alexander von Schlippenbach mit der Enttäuschung ihr ganz wunderbares Monumentalprogramm „Monk’s Casino“ aufführen. So auch diesmal. Schlippenbach ist bekanntlich der große Pianist des europäischen Free Jazz; hinter der genialen Enttäuschung stecken Rudi Mahall an der Bassklarinette, Axel Dörner an der Trompete mit Saugstopfer, Jan Roder am Bass, sowie Oli Steidle an Drums und vermutlich Gymnastikball; Monk ist Monk und das Casino steht für sein Gesamtwerk aus 66 Stücken, verteilt auf drei Abende von Karfreitag bis Ostersonntag im Aufsturz.