Berlins Regierender Michael Müller (SPD) hat seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat des Problem-BER angekündigt. Er sei noch neu, da könne er nicht alles über den Bau von Flughäfen wissen, sagte Müller am Sonntag. Die Konsequenz könne dann nur sein, den Aufsichtsrat zu verlassen. „Man muss dann auch rausgehen und die anderen machen lassen,“ sagte Müller. Das klingt nobel und einsichtig, nachdem unter Führung seines baufachlich ebenfalls unbeschlagenen Vorgängers Klaus Wowereit in Schönefeld alles schief gegangen ist, was schief gehen konnte.

Rausgehen hat aber Nachteile. Denn „die anderen“ machen schon. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CDU) nutzte am Wochenende die angekündigte politische Leerstelle, um als Miteigentümer des BER für den Bund eine Idee zu den bereits geplanten Erweiterungen des Schönefelder Airports zu äußern.

Statt weiterer Terminals in Berlin hat Dobrindt, der als Bundespolitiker über den berlin-brandenburgischen Tellerrand schaut, in einem Interview am Sonntag „Synergien“ mit dem Flughafen Leipzig/Halle ins Gespräch gebracht. Man solle doch erstmal den BER Berlin wie geplant fertig bauen und dann sehen, ob Berlin nicht, statt Erweiterungen zu bauen, mit dem Schkeuditzer Airport kooperieren könne. Der sei von Berlin-Mitte aus in 55 Minuten per Zug erreichbar.

Kein Nachtflugverbot

Das stimmt zwar derzeit nicht (man braucht knapp zwei Stunden), es könnte aber mit Fertigstellung der neuen ICE-Schnellstrecke nach München ab 2017 möglich sein. Dobrindt beruft sich auf Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der es natürlich gern sähe, wenn zu den mehr als 6000 Arbeitsplätzen in Schkeuditz noch etliche dazukommen.

Leipzig/Halle hat gegenüber dem BER den (zweifelhaften) Vorteil, beim Umweltdumping im Wettbewerb der Regionen die besseren Karten zu haben, weil es dort kein Nachtflugverbot gibt. Der Airport frohlockt, dass von den beiden „in Rekordzeit errichteten“ Schkeuditzer Start- und Landebahnen „jedes Ziel der Welt rund um die Uhr nonstop“ zu erreichen sei. Direkte Anbindung an das transeuropäische Autobahn- und Schienennetz und 24-Stunden-Betrieb für Frachtverkehre: kein Problem in Schkeuditz – aber in Berlin, wo nachts vom neuen BER nicht geflogen werden darf.

Ob Dobrindts Idee en détail gut ist, wird sich zeigen. Sie ist aber um Längen besser als die Schnapsidee von Berlin und Brandenburg, erst einen Großflughafen an einer anerkannt falschen, stadtnahen Stelle zu errichten und diese Fehlplanung dann auf Biegen und Brechen zum internationalen Lärmdrehkreuz ausbauen zu wollen.