Im Juni erobert das erste Smiley mit Hijab die Chats der Welt. Erfunden wurde es von einer Berliner Schülerin – und am Erfolg von Rayouf Alhumedhi scheiden sich die Geister. Die 15-Jährige, die aus Saudi-Arabien stammt und 2012 nach Berlin kam, wurde im vergangenen Jahr über Nacht berühmt, weil sie dem Unicode-Konsortium einen Vorschlag für ein Kopftuch-Emoji unterbreitete.

„550 Millionen muslimische Frauen auf der Erde tragen Hijab. Trotz dieser enormen Zahl ist für die Leute nicht einmal eine Taste auf der Tastatur reserviert“, schrieb Alhumedhi. Medien weltweit berichteten. Bereits im November tauchte dann ein Papier auf, in dem geplante Emojis aufgelistet wurden, darunter das der jungen Berlinerin. Sie hatte auch einen Designentwurf gemacht.

Jetzt ist endgültig offiziell, dass das Hijab-Emoji kommt, wenn auch etwas anders aussehend als der Vorschlag von Alhumedhi. Jeremy Burge, der Gründer der Datenbank „Emojipedia“ und „Chief Emoji Officer“, hat es in der Liste der 69 neuen Bildchen veröffentlicht – darunter sind auch ein Vampir, eine Meerjungfrau, neue Tiere und eine Meditationspose.

Im Juni wird es veröffentlicht, danach soll es die Online-Plattformen erobern. Google und Apple haben die Übernahme für Dezember angekündigt. „Als ich den Antrag stellte, dachte ich nicht groß darüber nach", sagt Alhumedhi.  „Jetzt, wo das Thema soviel Aufmerksamkeit bekommen hat, verstehe ich, wie wichtig es ist, repräsentiert zu werden. Sogar bei etwas so kleinem wie einem Emoji.“

Zeichen, dass sich Eigeninitiative lohnt

Für Andreas Germershausen von der Berliner Senatsverwaltung für Integration ist das Emoji ein tolles Zeichen. „Wir begrüßen die Initiative von Rayouf Alhumedhi sehr und freuen uns mit ihr über ihren Erfolg“, sagte er der Berliner Zeitung. Es sei erfreulich, dass mit dem Smiley eine Lücke im Piktogramm-Tableau geschlossen wurde „und sich zukünftig gesellschaftliche Realitäten auch in Smiley-Form wiederspiegeln“.

Zudem berge der Erfolg eine integrationspolitische Komponente: „Andere junge Menschen mit Migrationshintergrund erhalten die Botschaft, dass sich Eigeninitiative lohnt und sie mit ihren spezifischen Anliegen durchaus ernst genommen werden.“ Damit könnten das Selbstbewusstsein und das Zugehörigkeitsgefühl gestärkt und Abschottung und Ausgrenzung verhindert werden.

Kritik von Femen-Aktivistin

Nicht jeder blickt dem neuen Emoji aber so wohlwollend entgegen. Die frühere Femen-Aktivistin und Autorin Zana Ramadani (33) ist für ein generelles Kopftuchverbot bei Minderjährigen – und findet auch die Smileys im Chat bedenklich. „Wenn sich das in den Kommunikationskanälen der Kinder und Jugendlichen verbreitet, setzt sich das Kopftuch als Normalität in den Köpfen der Kinder fest“, sagte sie dieser Zeitung.

„Dadurch wird ein Druck erzeugt, der dazu führen kann, dass mehr junge Mädchen es tragen und dadurch einen Teil ihrer freien Kindheit verlieren.“ Laut Ramadani ist das Emoji nicht neu. Für ihr Buch „Die verschleierte Gefahr“ recherchierte sie auch in sozialen Netzwerken. „In muslimischen Apps gab es verhüllte Smileys schon länger – dort waren hingegen Emojis ohne Kopftuch eine Seltenheit.“

Auch abseits des Internets sorgte das Stück Stoff in den letzten Monaten für Zoff. Grund war ein Gerichtsurteil. Zwar verbietet das Neutralitätsgesetz Polizisten, Justizangestellten und Lehrern das Tragen religiöser Symbole – eine Richterin sprach einer Grundschullehrerin aber 8600 Euro Entschädigung zu, weil sie wegen des Kopftuches an Schulen abgelehnt wurde. Es folgten hitzige Debatten, die nun neuen Zündstoff bekommen könnten.