Alles wird teurer, das ist klar. Aber so teuer? Für die Zukunft droht dem Land Berlin eine enorme Steigerung der Kosten, die Jahr für Jahr für den Betrieb der S-Bahnzüge fällig werden. Nach Informationen der Berliner Zeitung ist von einer Steigerung des Jahresbetrags um bis zu 100?Millionen Euro die Rede.

Derzeit überweist das Land jährlich bereits mehr als 250 Millionen Euro an die S-Bahn Berlin GmbH, die der Deutschen Bahn (DB) gehört. Eine solche Verteuerung, wie sie nun droht, könnte es nicht finanzieren. Es gibt nur zwei Optionen: Entweder gelingt es dem Senat, den Preis des DB-Angebots herunter zu handeln?– oder das Zugangebot für die Fahrgäste müsste eingeschränkt, der Fahrplan ausgedünnt werden.

Offizielle Stellungnahmen sind nicht zu bekommen, das Thema Zukunft der Berliner S-Bahn ist topsecret. Selbst wenn er es wollte, dürfte der Senat nichts öffentlich verlauten lassen. Denn das Verfahren, mit dessen Hilfe Berlin und Brandenburg den Vertrag für ein Drittel des S-Bahn-Verkehrs neu vergeben wollen, läuft noch – und dafür gilt ein strenges Schweigegebot. Auf inoffiziellen Wegen dringen aber immer mehr Einzelheiten nach draußen.

Nur noch ein Bewerber

So ist es geregelt: Der Bund gibt den Ländern Geld, damit sie den S-Bahn-Verkehr finanzieren. In ihrem Auftrag soll der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg ein Unternehmen finden, dass die Züge auf den Ringlinien S 41 und S 42 sowie drei weiteren Linien künftig betreibt. Es geht um einen Milliardenauftrag für 15 Jahre. Doch wie berichtet hat sich die Zahl der Bewerber gelichtet.

Dem Vernehmen nach stiegen MTR aus Hongkong, JR East aus Japan, RATP aus Frankreich und National Express aus Großbritannien aus. Manchen Beteiligten erschien das Verfahren als zu kompliziert, anderen erschienen die Verdienstchancen als zu gering. Wieder andere bemängelten, dass einige Regelungen die DB begünstigen. Es gab kein Dementi, als gemeldet wurde, dass nur ein Verkehrsunternehmen übrig geblieben ist: die DB, deren Tochterfirma heute alle S-Bahnen in der Region betreibt.

Auch wenn es um die künftigen Berliner S-Bahn-Züge geht, kann Insidern zufolge von einem echten Wettbewerb nicht mehr gesprochen werden. Bombardier nimmt an dem Verfahren nicht mehr teil. Angeblich hatte die DB Finanzierungsvorschriften verschärft. Das Bundesunternehmen will Herstellern kein Geld mehr zahlen, bevor bestellte Züge geliefert worden sind. So konkurrieren dem Vernehmen nach nur noch der polnische Hersteller Pesa sowie ein Konsortium von Siemens und Stadler um den Auftrag für die neuen S-Bahnen, den Stadler auf rund 900 Millionen Euro beziffert.

„Eine echte Konkurrenz gibt es also weder bei den möglichen Betreibern noch bei den Fahrzeuglieferanten“, sagte ein Beobachter. Das könnte dazu beigetragen haben, das die Angebote offenbar relativ teuer sind. Ein Faktor könnten auch die vielfältigen Wünsche und Anforderungen der Länder sein – etwa nach zusätzlicher Klimatechnik in den künftigen S-Bahnen. Und natürlich könnte auch die allgemeine Teuerung daran schuld sein, dass Berlin und Brandenburg nun mit einer hohen Preisforderung für die Zeit ab 2023 konfrontiert sind.

Seit Mai gibt es Gespräche zwischen Senat und DB. Das Land ist zum Erfolg verurteilt – sonst müsste das Vergabeverfahren abgebrochen und neu begonnen werden.