Berlin - Mehr als hundert Menschen haben am Sonntag in Tegel gegen die Skandale bei den Flughafenplanungen in der Hauptstadtregion protestiert. Von "Misswirtschaft und Täuschungsmanövern" seien die Anwohner des Flughafens Tegel genauso betroffen wie die Menschen im Einzugsgebiet des künftigen Hauptstadtflughafens "Willy Brandt" in Schönefeld, sagte Sprecher Markus Peichl vom "Bündnis Berlin Brandenburg gegen neue Flugrouten". Daher hätten erstmals Betroffene der Tegeler Einflugschneisen und der künftigen Schönefelder Flugrouten gemeinsam zu einer Demonstration aufgerufen.

Mit dem Protestzug durchs Terminal in Tegel solle ein Zeichen gesetzt werden gegen die "Flughafenpolitik, die systematisch auf Kosten der Bürger und ihrer Gesundheit geht". Wegen technischer Probleme war die für den 3. Juni geplante Eröffnung des Hauptstadtflughafens auf den 17. März 2013 verschoben worden. Der Flughafen Tegel bleibt deshalb länger in Betrieb, zudem wurden die Nachtflugregelungen für den innerstädtischen Airport aufgeweicht.

Mehrere hundert Millionen Euro Mehrkosten

Die Verschiebung des Eröffnungstermins sowie die Planungspannen am künftigen Hauptstadtflughafen werden für den Steuerzahler teurer als bislang bekannt. Inzwischen ist von mehreren hundert Millionen Euro die Rede, die der Bau des BER zusätzlich kosten wird. Nach Medienberichten prüft die Bundesregierung inzwischen eine mögliche Haftung der Flughafengeschäftsführung. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat dazu bereits eine Sonderkommission eingesetzt.

Kostentreiber sind unter anderem Schallschutzmaßnahmen für die Anwohner, die knapp 300 Millionen Euro teuer werden könnten als bislang vorgesehen. Zudem erwägt die Deutsche Bahn Schadenersatzforderungen. "Das lassen wir zurzeit prüfen", sagte Bahnchef Rüdiger Grube. Allein die Ausfälle beim Flughafenzubringer führten bei der Konzerntochter Station & Service AG zu einem monatlichen Minus von 620.000 Euro. Zudem müssten – wie berichtet – täglich drei Züge auch ohne Flughafenbetrieb und Passagiere zwischen dem Airport in Schönefeld und der Innenstadt verkehren, um die Belüftung der Tunnel zu gewährleisten. (dapd, dpa)