Berlin - Nein, den Rekord über die kürzeste Fährverbindung Berlins schlägt Andreas Engelland nicht, wenn er mit der „Neue Liebe“ in See sticht. Denn der Fährmann, ein früherer Fahrgastschiffer, der ab jetzt Fahrgäste zwischen West- und Ostmole im Hafen Tempelhof übersetzt, muss mit seinem überdachten Pontonboot immerhin fast 80 Meter zurücklegen.

Die kürzeste Fährstrecke der Hauptstadt ist damit immer noch mit 36 Metern jene über die Müggelspree zwischen Müggelheim und Rahnsdorf. Das Fährboot dort wird von der Stern und Kreisschifffahrt betrieben. Der Tempelhofer Fährmann Engelland dagegen ist der einzige Berliner Bootsführer, der beim Centermanagement eines Einkaufszentrums angestellt ist. Er bedient die Hafenfähre künftig von April bis Mitte Oktober.

Die kostenlose Schiffsverbindung ist ein Angebot, mit dem die Tempelhofer Hafen GmbH & Co KG mehr Publikum auf das in anderen Teilen Berlins weithin unbekannte Grundstück am Teltowkanal locken will. Denn das Gelände, das bis 2004 von einem Schrotthandel genutzt wurde, sollte für 100 Millionen Euro zwar zu einem Gebiet für Einkauf, Kultur und Freizeit entwickelt werden.

Doch bei der Eröffnung 2009 waren nur ein Einkaufszentrum mit etwa 20.000 Quadratmeter Handelsfläche im historischen Speicher sowie einige Gaststätten fertig. Inzwischen haben einige Einrichtungen sogar schon wieder geschlossen. Die schleppende Komplettierung hatte Folgen: Das Hafen-Center, in dem wenig Überraschendes geboten wird wie Bekleidungsläden, die es so auch überall anders in der Stadt gibt, läuft nur mau.

„Angesichts von 60 Einkaufszentren in Berlin wird es Zeit, dass mit dem Alleinstellungsmerkmal gewuchert wird, der wunderschönen Wasserlage “, sagt Sibyll Klotz, Tempelhof-Schönebergs bündnisgrüne Stadtentwicklungs-Stadträtin. Das haben auch die Eigentümer erkannt: „Mit dem Fährbetrieb wird das Areal nun auch von der Wasserseite erlebbar“, sagt Martin Merkel, einer der beiden Geschäftsführer.

Er spricht von einem Mosaikstein, dem weitere folgen sollen: Im Herbst soll auf den beiden Molen mit dem Bau von zwei Gaststätten begonnen werden, an der Westmole (zum Tempelhofer Damm hin) soll es eine Holztreppe geben, auf deren Stufen Besucher sitzen und den Booten zusehen können, wenn sie auf den 35 Liegeplätzen im Hafen anlegen. Besonders in den Abendstunden lohnt sich schon jetzt der Aufenthalt: Das gesamte Gelände wird durch eine kürzlich installierte Außenbeleuchtung illuminiert.

Wer abends zur Beach-Bar auf der Ostmole übersetzen will, hat allerdings Pech. Er muss das Gelände zu Fuß ansteuern, denn die Fähre verkehrt nur zwischen 11 und 19 Uhr. Auch sonn- und feiertags wird nicht geschippert. „Wir testen das jetzt, vielleicht weiten wir den Betrieb zumindest auf die verkaufsoffenen Sonntage aus“, sagt Merkel.