Berlin - Im Fall des Tötungsdelikts am U-Bahnhof Kottbusser Tor gehen die Ermittlungen weiter. Laut Staatsanwaltschaft soll auch ein möglicher Drogenhintergrund der Tat geprüft werden. Das Opfer war wegen Rauschgiftdelikten polizeibekannt. Ob auch die Tat selbst direkt mit Drogen zu tun hat, war nach Polizeiangaben mit Stand Donnerstagmorgen offiziell aber noch unklar. Zunächst müssten weitere Zeugen der Tat vernommen werden, hieß es.

Opfer war wegen Rauschgiftdelikten polizeibekannt

Das Kottbusser Tor gilt als Drogenumschlagplatz. In dem U-Bahnhof halten sich öfter Gruppen von Konsumenten auf. Marihuana, Kokain, Heroin, aber auch legale Schmerz- und Betäubungsmittel wie Methadon, Rohypnol oder Subutex. Das sind Ersatzstoffe, die Drogenabhängigen ärztlich verschrieben werden können, wenn diese sich zum Entzug von Heroin oder anderen harten Drogen entschieden haben. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass besagte von Ärzten verschriebene Ersatzdrogen bei Junkies genauso hoch im Kurs stehen wie herkömmliches Rauschgift. So offenbar auch im aktuellen Fall.

Zwei Bekannte des Rollstuhlfahrers sagten gegenüber dieser Zeitung am Donnerstag, dass der Mann in der Nacht zu Mittwoch von vier Rauschgiftsüchtigen angesprochen worden sei. Man habe sich „locker gekannt“. Der laut Polizei wegen Drogendelikten aktenkundige Rollstuhlfahrer soll demnach legal im Besitz von verschreibungspflichtigen Schmerztabletten gewesen sein, die in der Szene für zwei Euro das Stück gehandelt werden.

Täter wollten offenbar Rauschgift des Opfers rauben

Doch die Männer versuchten offenbar, die Tabletten zu rauben. Bei dem anschließenden Gerangel wurde ein 30-jähriger Begleiter des Rollstuhlfahrers gegen einen einfahrenden Zug der Linie U8 geschubst, geriet zwischen Waggon und Bahnsteigkante und wurde tödlich verletzt. Zu der Frage, ob von der Polizei eine öffentliche Suche mit den Aufnahmen in Betracht gezogen wird, wurden am Donnerstag keine Angaben gemacht.