Das wäre eigentlich ein schönes Weihnachtsgeschenk. Aber die Liebhaber der KPM-Produkte müssen sich noch gedulden. Denn die Königliche Porzellan-Manufaktur feiert erst im nächsten Jahr ihren 250. Geburtstag. Und erst dann gibt es ein neues Service der Porzellanmacher, die neben den Kollegen aus Meißen die wohl bekannteste Nobel-Porzellanhersteller in Deutschland sind. Kurland Blanc Nouveau heißt das Service. Und Kenner der KPM-Erzeugnisse mit dem blauen Zepter wissen, dass damit auf einen Klassiker zurückgegriffen wird.

Denn ein Kurland-Service gab es in der KPM-Geschichte schon einmal. Um 1790 gab es eine erste Auflage, damals waren die Tassen und Teller noch farbig gehalten. Jetzt hat Thomas Wenzel, der Künstlerische Leiter der Manufaktur in der Charlottenburger Wegelystraße, die alten Muster wiederentdeckt. Das neue „Kurland“ ist komplett weiß gehalten, und das ehemals farbige, klassizistische Muster hebt sich jetzt stumpf weiß von der sonst glänzenden Oberfläche ab.

Preußisch streng

KPM-Geschäftsführer Peter Kesselmann ist begeistert von dem neuen Service. „Das sind keine Teller und Tassen, das ist ein Erlebnis.“ Das sich verkaufen muss. Nur alle 25 Jahre wird eine neue Kollektion kreiert. Da rührt auch Jörg Woltmann, Besitzer der KPM, die Werbetrommel: „Das neue Service bleibt preußisch streng.“

2006 hat Woltmann die defizitäre Manufaktur, die einst von Preußen-König Friedrich II. erworben wurde, vom Land Berlin gekauft. In nur einer Woche hatte sich der heute 65-Jährige damals zum Kauf entschlossen. „Das ist ein Kulturgut, dass erhalten bleiben muss“, sagt Woltmann, der im Hauptberuf Banker ist. Wie er auf die KPM aufmerksam wurde? „Als ich 28 war, leistete ich mir drei Dinge: eine gute Uhr, einen Rolls Royce und ein KPM-Service.“

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Womit wir beim Preis wären. Natürlich ist KPM nicht billig. Zwei Tassen, Unterteller und Teller des neuen Service werden voraussichtlich knapp 400 Euro kosten. Aber die Berliner Produkte sind Sammlerstücke und Geldanlagen. Nicht nur in Deutschland sind die KPM-Erzeugnisse beliebt. Taiwan-Chinesen sind begeisterte Sammler. 50 Prozent des Exportes gehen dort hin. Weil das so ist, gibt es zum Jubiläum weitere Sammlerstücke aus dem Fundus, in dem sich 150.000 Formen befinden.

„22 Klassiker aus 250 Jahren kommen auf den Markt, insgesamt 250 Stück, jeweils mit einem eigenen Zertifikat“, sagt Kesselmann. Und die sind, weil nur in Kleinstserien produziert, richtig teuer. So wird es den „Knasterkasten“ wieder geben – eine Tabakdose von 1763, die Friedrich der Große benutzt haben soll. 7 200 Euro müssen dafür bezahlt werden.

Richtig teuer ist das Konische Service mit dem Dekor „Goldmouchen über und über“, es war 1794 extra für Königin Frederike Luise aufwendig bemalt worden und gilt als eines der schönsten Entwürfe der Manufaktur. Die Mouche, nach dem französischen Wort für „Fliege“, war ein kleines schwarzes Schönheitspflaster, auf dem Service taucht es zu Dutzenden in Gold gehalten auf. Dafür müssen 8200 Euro eingesetzt werden. Wer jetzt verzweifeln will: In der KPM-Verkaufswelt kann man auch für deutlich unter 100 Euro glücklich werden.