Der Bankier und Unternehmer Jörg Woltmann ist ein Gesellschaftstiger, dem durch Corona seine abendlichen Empfänge, Galas und Premieren abhanden gekommen sind. Der Inhaber der Königlichen Porzellan-Manufaktur, dem für die Rettung dieses kulturellen Erbes das Bundesverdienstkreuz ans Revers geheftet wurde, umschreibt es so: „Das Leben hat sich deutlich verändert. Man ist viel mehr zu Hause, hat ein geregelteres Leben. Und kommt sehr zum Nachdenken darüber, was alles passieren kann.“

Der Unternehmer merkt an den Umsätzen seiner KPM, dass den Leuten im Homeoffice nicht nur die Decke auf den Kopf, sondern auch das ein oder andere Geschirrteil zu Boden fällt und zerschellt. Grund zur Freude: „Die KPM schlägt sich wesentlich besser durch die Pandemie, als ich das erwartet habe. Während des Lockdowns waren unsere Galerien geschlossen, aber das ist fast durch den Webshop ausgeglichen worden.“ Woltmann klingt fast schon zufrieden: „Die Leute haben fleißig eingekauft. Das zeigt, wie stark die Marke ist. Und wie treu unsere Kunden sind. Allerdings fehlen die Touristen in unseren Galerien.“

Die Idee mit dem To-go-Becher aus KPM-Porzellan, über die so mancher Tisch- und Kaffeekulturbewahrer das feine Näschen gerümpft hat, entwickelte sich zum Hit. Die nachhaltige Alternative zur Ressourcen-Aaserei mit Pappbechern wird dermaßen gut angenommen, dass es zwischendurch Lieferschwierigkeiten gab. Der Inhaber lobt seinen Chefdesigner Thomas Wenzel und dessen Team im Designstudio für diesen Coup. Und fühlt sich bestätigt: „Das habe ich ja schon immer gesagt: Wir müssen neue Wege gehen. Es hat sich alles geändert. So ist ja auch nicht mehr das Service für zwölf Personen gefragt. Wir bewegen uns auf die jungen Leute zu. Man muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit.“

Auch die Idee, wie sich die KPM dieses Jahr am Black Friday beteiligen soll, kam von den Mitarbeitern. Der Tag, der diesmal weltweit am 27. November begangen wird, läutet inzwischen traditionell mit aggressiven Rabatten das Weihnachtsgeschäft ein. Woltmann mag sein Porzellan aus der Manufaktur allerdings nicht verramschen: „Wir haben entschieden, dass wir die Rabattschlachten nicht mitmachen wollen, sondern stattdessen gemeinsam mit unseren Kunden ein Zeichen der Solidarität mit Menschen setzen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.“ Zehn Prozent des Umsatzes mit Porzellan werden am Black Friday an die örtlichen Tafeln gespendet. Woltmann hätte daraus auch einen Preisnachlass machen können, so gefällt es ihm aber viel besser: „Unseren Kunden tut es nicht weh und den anderen tut es gut.“

Der Unternehmer erinnert sich in diesem Zusammenhang an schwierige Zeiten in seiner Kindheit: „Ich bin 1947, kurz nach dem Krieg, geboren. Meine Mutter musste sich ganz hart durchkämpfen. Ich kann mich daran erinnern, wie wir gefroren haben und meine Mutter mit Fäustlingen an der Nähmaschine saß und bis tief in die Nacht arbeitete, um ihre beiden Kinder durchzubringen. Ich bin in Moabit in der Thomasiusstraße geboren, bei uns wurde nicht mit goldenen Löffeln gegessen.“

Kleine Warnung an alle, die sich angesichts des Inhabers, der am Black Friday auch selbst mal in der KPM-Verkaufsgalerie in der Wegelystraße hinter dem Ladentisch stehen wird, animiert fühlen, nach einem Nachlass zu fragen. Keine Chance, denn damit würde man ja die Berliner Tafel beklauen!

Woltmann selbst sucht nie nach Schnäppchen: „Ich kaufe das, was ich brauche und schön finde. Dabei achte ich eher auf Qualität und Nachhaltigkeit. Etwas zu kaufen, was man eigentlich nicht braucht, nur weil es günstig ist, ist das Blödeste, was man machen kann.“