Ein Plüschtier hilft einem kranken Kind manchmal, Mamas Nähe immer.
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BerlinMütter und ihre Kleinkinder können schnell zu einem kontroversen Thema eskalieren und einen Shitstorm auslösen. Sei es drum. Im Café sitzt zwei Tische weiter eine Mutter, ihr Kind schläft im Kinderwagen. Soweit, so unproblematisch.

Bis sie zu telefonieren beginnt und en détail von der Bindehautentzündung ihres Kindes erzählt. Sie ist entrüstet, weil die Kita sie zum Arzt geschickt hat, denn nun könne sie in zwei Tagen wahrscheinlich nicht an irgendeinem Kurs teilnehmen. Sie merke nun selbst schon ein Jucken am Auge, aber zu sehen sei noch nichts.

48-stündiges Besuchsverbot in der Kita

Eine Bindehautentzündung kann durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen werden: sprechen mit anderen Menschen, Handtücher, solche Sachen halt. Ob ein Besuch im Café unbedingt ratsam ist, wenn nicht mehr nur die Augen des Kindes jucken, sei mal dahingestellt.

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Die Mutter echauffiert sich am Handy derweil weiter, schon vor ein paar Tagen sei das Kind von der Kita mit erhöhter Temperatur nach Hause geschickt worden, samt 48-stündigem Besuchsverbot, dabei sei es Zuhause „quietschfidel“ gewesen.

Problematik: Krankes Kind und alleinerziehend

Sie sei dann zum Arzt gegangen, der aber keine Gesundschreibungen mehr ausstellen würde. Statt die zwei Tage einfach durchzustehen und das Kind ausruhen zu lassen, schleppt sie es also zum Arzt, um bestenfalls den zweiten Tag zu sparen. Wahrscheinlich habe sich das Kind sogar beim Arzt die neue Erkrankung eingefangen, sagt sie noch.

Klar: Alleinerziehende und manch andere haben oft echte Probleme, Job und kranke Kinder zu organisieren. Sie hier macht eher nicht den Eindruck, durch die Bindehautentzündung ihres Kindes existenziell bedroht zu sein. Sie will halt diesen Kurs nicht verpassen. Weil sie nicht einsieht, dass ein Antibiotika schluckendes Kind ein paar Tage zu Hause bleiben sollte, sucht sie im Telefon gleich nach dem nächsten Kontakt: das Gesundheitsamt!

Risiko der Übertragung eindämmen

Die Kita gehöre zu einem der großen Wohlfahrtsverbände, da müsse man doch denken, dass die Mitarbeiter gut geschult seien, schimpft sie. Was „gut geschult“ ist, entscheidet ganz klar sie.

Leute, die kranke Kinder nach Hause schicken und das Risiko der Übertragung auf andere eindämmen wollen, sind es offenbar schon mal nicht. Die würden sich „querstellen“, sagt sie dem Gesundheitsamt. So oder so: Gute Besserung!