Im Jahr 2030 hat jeder zweite Berliner nach einer Prognose des Senats das 50. Lebensjahr überschritten, die Zahl der über 80-Jährigen wird sich nahezu verdoppeln auf 268 000. Schon jetzt macht sich die Alterung der Bevölkerung bemerkbar. So müssen in den Kliniken mehr Menschen mit Demenzerkrankungen behandelt werden. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hat nun den Krankenhausplan aktualisiert und die Zahl der 1 730 geriatrischen Betten in 57 Kliniken um 182 aufgestockt. Im Krankenhausplan des Senats ist die Bettenanzahl in den Kliniken sowie deren Verteilung auf die Fachabteilungen festgelegt.

Mehr geriatrische Betten sollen unter anderem das Helios-Klinikum in Buch, die DRK-Kliniken in Köpenick sowie das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Spandau erhalten. Die Gesamtzahl der rund 20.550 Betten soll jedoch bis 2015 leicht zurückgehen. Um den Zuwachs in der Geriatrie auszugleichen, werden 200 Betten – vor allem in der Chirurgie, in der Hals-Nasen-Ohren- sowie der Augenheilkunde – gestrichen. „In diesen Bereichen hat sich eine starke Verlagerung in die ambulante Versorgung vollzogen“, sagt Czaja.

Zudem muss die Charité noch etwa 300 ihrer rund 3000 Betten abbauen. Langfristig kommt Berlin wegen des demografischen Wandels aber nicht an einer Ausweitung der Bettenkapazitäten vorbei. Das bedeutet auch, dass kein Krankenhaus geschlossen wird.

„Berlin hat seit Anfang der 90er-Jahre überproportional viele Betten abgebaut und steht im Vergleich zu anderen Bundesländern gut da“, sagt der Senator. Mit einer Belegung von 82 Prozent sei die Auslastung sehr gut, und auch die Verweildauer der Patienten von knapp acht Tagen liege im Bundesdurchschnitt.

Mehr Einmischung der Politik

Czaja will sich darüber hinaus stärker in das Geschäft der Krankenhausmanager einmischen. „Rosinenpickerei verhindern“ nennt er das und meint damit, dass sich manche Häuser „aus wirtschaftlichen Gründen auf lukrative Teilbereiche der Versorgung beschränken“. Wenn bestimmte Untersuchungen, etwa des Herzens, von den Krankenkassen gut bezahlt würden, weiteten Kliniken diese Angebote aus, auch wenn dies nicht immer medizinisch erforderlich sei.

Der Senator will daher im Krankenhausplan Unterdisziplinen stärker ausweisen. Ein Beispiel: Werden bislang der Inneren Medizin generell Betten zugewiesen, könnte künftig eine Unterteilung in Kardiologie oder Diabetesbehandlung erfolgen.

Geprüft werden soll auch, ob weitere Qualitätskriterien wie Personalausstattung und zertifizierte Leistungsstandards Voraussetzungen dafür sein sollen, um in den Krankenhausplan aufgenommen zu werden. Nur Häuser, die als Plankliniken ausgewiesen sind, haben ein Anrecht auf staatliche Investitionen und Vergütung durch die Krankenkassen. Insgesamt gibt es in Berlin 95 Krankenhäuser, darunter viele kleine mit nur wenigen Betten.