Krankenpflegerin Nina Böhmer.
Foto: Privat

Berlin„Euren Applaus könnt ihr euch sonst wohin stecken“, hatte Krankenpflegerin Nina Böhmer am 23. März auf ihrer Facebookseite geschrieben. Kurz nach Beginn des deutschen Kapitels der Corona-Pandemie erklärte die 28-Jährige, warum viele, die in der Krankenpflege arbeiten, sich von Balkonklatschen und Gesängen eher verhöhnt als geehrt fühlen: Überlastung, ständige Sorge um die Patienten, weil immer zu wenig Personal da ist, und der mangelnde Infektionsschutz für Pflegepersonal.

Dreieinhalb Monate später ist dieser Wutschrei der Titel eines Buchs, verfasst von Böhmer, erschienen in diesen Tagen. Das ist kein Wunder: Ihr Facebook-Post wurde zehntausendfach geteilt und fand auch großes Echo in den Medien. Nicht nur, weil er so vielen anderen „Corona-Helden“ aus dem Herzen sprach, sondern auch, weil alle anderen ein schlechtes Gewissen hatten. Die Öffentlichkeit hat seit März viele neue Vokabeln gelernt (wie „Reproduktionswert“ oder „Social Distancing“), aber der „Pflegenotstand“ war schon vorher ein vertrauter Begriff.

Seit Jahrzehnten prangern Angestellte von Krankenhäusern und Pflegeheimen die Bedingungen an, unter denen sie arbeiten müssen. Immer wieder werden Gesetze verabschiedet, die endlich Entlastung bringen sollen. Doch bei Nina Böhmer, die in einem Berliner Krankenhaus arbeitet, ist davon bisher nichts angekommen. „Es gibt keinen Dienst, in dem ich mich um alle Patienten so kümmern könnte, wie ich es möchte“, sagt sie – es seien einfach zu viele.

Die Gründe für den Personalmangel aus ihrer Sicht: schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung während der Ausbildung, geringe Anerkennung und ein Pflegesystem, dem Profit immer noch wichtiger ist als der Mensch. Mit ihrem Buch will Böhmer dafür sorgen, dass diejenigen, denen jetzt noch das Etikett „Heldin“ anhaftet, nach dem Abflauen der Pandemie nicht ganz schnell wieder vergessen werden. Denn Pflege, sagt Böhmer, gehe alle an: „Jeder muss mal ins Krankenhaus, und wir werden alle mal alt.“ Weniger klatschen, mehr Druck auf die Politik machen also. Vielleicht bringt es ja dieses Mal etwas.