Kreuzberg - Wer am 1. Mai diesen Jahres nur zum Feiern nach Kreuzberg geht, wird enttäuscht sein. Denn das Straßenfest rund um die Oranienstraße wird im 16. Jahr seines Bestehens viel leiser, kleiner und politischer sein als in den Jahren zuvor. So haben es sich die Anwohner in einer Befragung von 5000 Haushalten gewünscht, und so haben es Bezirk und Veranstalter nun auch festgelegt. Die meisten Bewohner sind nicht gegen das Straßenfest, sie wollen es nur kiezbezogener und weniger kommerziell.

Das Myfest findet statt - aber leiser und mit weniger Polizei

Von einem „Wandel“ spricht Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) und kündigt an, dass Polizei und Ordnungsamt konsequenter und früher als bisher gegen unerlaubten Getränkeverkauf und Straßenpartys mit lauter Musik vorgehen wird. „Wir werden massiv stören“, sagt Monika Herrmann.

Beim Myfest wird es statt sechs nur noch vier Bühnen geben. Ab 20 Uhr wird die Musik dort leiser gestellt, um 21 Uhr ist das Straßenfest beendet. Auf den Bühnen soll es neben Hip-Hop, Hardcore, Punk sowie türkischer und kurdischer Musik um wichtige politische Themen gehen: Verdrängung, Obdachlosigkeit, Antirassismus und selbstbestimmtes Leben. Auf jeder Bühne sind mindestens zwei Stunden für politische Redebeiträge eingeplant. Lokale Vereine werden stärker einbezogen.

Die Polizei kündigt an, auf dem Myfest keine oder nur wenige Polizisten einzusetzen. Zudem werden mehr Toiletten aufgestellt.

Görlitzer Park wird zur „partyfreien Entspannungszone“

Zu den Veränderungen in diesem Jahr gehört auch, dass das Myfest nicht erneut bis in den Görlitzer Park ausgeweitet wird. Das Bühnenprogramm mit elektronischer Musik war beim MyGörli im Vorjahr zwar gut besucht, und viele Menschen saßen auf der Wiese, doch später lehnten die Anwohner eine weitere Party am 1. Mai im Görlitzer Park ab.

In diesem Jahr lautet das Motto deshalb: ein ganz normaler Tag im Park. Das Gelände wird zur „partyfreien Entspannungszone“, teilt das Bezirksamt mit. Um illegale Partys zu verhindern, ist es am 1. Mai nicht erlaubt, Glasflaschen, Getränkedosen, Grills und Musikanlagen in den Görlitzer Park mitzubringen.

Kreuzberg ist für Demonstrationen nicht mehr geeignet

Auch die „Revolutionäre 1. Mai Demo“ will in diesem Jahr neue Wege gehen. Die Route soll nicht mehr durch Kreuzberg und Neukölln führen, sondern durch die Rigaer Straße in Friedrichshain.

Wegen des ausufernden Straßenfestes mit Zehntausenden Partybesuchern sei Kreuzberg für die Demonstration nicht mehr geeignet, teilen die Organisatoren mit. Unter dem Motto „Gegen die Stadt der Reichen“ wollen die Teilnehmer für eine Gesellschaft ohne Gefängnisse, für eine Gesellschaft ohne Miete, ohne Kapitalismus und ohne Lohnarbeit protestieren.