Berlin - Neben dem Gleisdreieck-Park in Kreuzberg soll kühn in die Höhe gebaut werden. Der Eigentümer des knapp 43.000 Quadratmeter großen Grundstücks zwischen U-Bahnhof Gleisdreieck und Luckenwalder Straße, die Firma Copro, teilte am Freitag mit, das Areal nach Plänen des Architekturbüros Ortner + Ortner neu zu gestalten. Der Entwurf sieht den Bau mehrerer bis zu 90 Meter hoher Häuser am Rand des Parks vor.

In den Hochhäusern sollen vor allem Büro- und Gewerbeflächen entstehen, erklärte Copro. In den Erdgeschosszonen sind Geschäfte für die Nahversorgung, Gastronomie, Sportangebote sowie Einrichtungen für Kunst und Kultur vorgesehen. Wegen des Lärms durch die Bahn-Linien ist laut Copro eine Wohnnutzung nur eingeschränkt möglich. Von den insgesamt geplanten 100.000 bis 110.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche seien 15.000 bis 30.000 Quadratmeter für „wohnnahe Nutzungen“ vorgesehen. Darunter versteht das Unternehmen Studentenapartments oder ein Hotel. Der Bau der Häuser soll 2018 beginnen.

Große Flexibilität der geplanten Gewerbebauten

Aus einem internationalen Wettbewerb mit 22 Teilnehmern waren im November vergangenen Jahres die Architekturbüros Ortner + Ortner sowie Cobe als Gewinner hervor gegangen. Beide stammen aus Berlin. Jetzt, nach einer mehr als dreimonatigen Überarbeitung, legte sich Copro gemeinsam mit der Juryvorsitzenden Dörte Gatermann darauf fest, dass der Entwurf von Ortner + Ortner weiter verfolgt werden soll.

Diesem Architekturbüro sei es am besten gelungen, „eine große Flexibilität der geplanten Gewerbebauten“ umzusetzen. Zudem werde bei dem Entwurf mehr in die Breite als in die Höhe gebaut. Dies komme vor allem den Wünschen kreativer Unternehmer entgegen, heißt es von Copro. Durch „großzügige Freiflächen“ zwischen den Gebäuden falle das Ensemble „insgesamt luftig aus“, meint das Unternehmen. Gebaut werden sollen die Häuser später von verschiedenen Architekturbüros.

Von Seiten der Anwohner kommt Kritik an dem Projekt. Schon jetzt werde der Gleisdreieck-Park stark genutzt, sagt Anwohnerin Antje Leitenroth. „Es ist abzusehen, dass der Park diese Überbeanspruchung nicht verkraftet“, warnt sie. Ihre Folgerung: „Ein bislang tolles Stück Berlin wird wieder einmal dem Kommerz geopfert.“

Der für 18 Millionen Euro errichtete Park am Gleisdreieck ist 26 Hektar groß. Er besteht aus dem rund 17 Hektar großen Ostpark zwischen Möckernstraße und Yorckstraße, der im Jahr 2011 eröffnet wurde, sowie aus dem neun Hektar großen Westpark südlich des Schöneberger Ufers, der 2013 fertiggestellt wurde. Der Park bekam mehrere Auszeichnungen: den Architekturpreis 2013, den Sonderpreis Deutscher Städtebau 2014 und den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2015.

Marc F. Kimmich, geschäftsführender Gesellschafter von Copro, sagt, er wolle sein Areal bereits vor Baubeginn „mit Leben füllen“. Im Sommer sollen dort eine mobile Craft Beer Brauerei sowie ein Biergarten eröffnen. Derzeit liefen die baurechtlichen Abstimmungen mit dem Bezirk. Copro will zudem eine von Graft Architekten gestaltete mobile Kunsthalle aufstellen.