Berlin - Der letzte Schultag des Jahres war an der Kurt-Schumacher-Grundschule in Kreuzberg alles andere als weihnachtlich-besinnlich. Große Aufregung herrschte am Freitag im Haus an der Puttkamer Straße. Wegen Mängeln beim Brandschutz mussten die 260 Schüler und ihre Lehrer das Hauptgebäude der Ganztagsschule räumen. Sie wurden auf zwei kleinere Häuser auf dem Gelände verteilt, die sonst der nachmittäglichen Freizeitgestaltung dienen.

Die Mängel waren am Donnerstag entdeckt worden. Daraufhin sperrte die Bauaufsicht des Bezirks die Schule, einen viergeschossigen Flachbau aus dem Jahr 1972. „Wir waren alle überrascht, denn die Schule gilt im Bezirk nicht als Problemfall“, teilte der zuständige Stadtrat Peter Beckers (SPD) mit. Mitarbeiter eines Ingenieurbüros hatten im Auftrag des Bezirks eine Kontrolle des Gebäudes vorgenommen, um die geplante Grundsanierung vorzubereiten.

Peter Beckers: „Dabei haben sie auch einige Rigipswände beiseite geräumt und dahinter völlig ungeschützte Stahlträger gefunden, mit denen das Schuldach gehalten wird.“ Stahlträger, die nicht ummantelt sind, gelten als hohes Sicherheitsrisiko – bei einem starken Brand können sie schmelzen, das Dach kann einstürzen. Der Bauaufsicht blieb gar nichts anderes übrig als eine Sperrung. Der Schulstadtrat sagt, niemand wisse, seit wann die Stahlträger frei stehen.

Keine akute Gefahrensituation

Weder in der Schule noch im Bauamt sei dies bekannt gewesen. Bei den jährlichen Brandschutzkontrollen habe man üblicherweise vor allem darauf geachtet, ob ausreichend Feuerlöscher vorhanden sind, Türen vorschriftsmäßig schließen und Fluchtwege frei sind.

Der Stadtrat: „Aus alten Unterlagen geht hervor, dass es vor 20 Jahren in der Schule eine Asbestsanierung gab. Möglich, dass die Ummantelung dabei beseitigt und nicht ersetzt wurde.“ Möglich sei aber auch, dass die Stahlträger bereits beim Bau der Schule vor 40 Jahren frei blieben. Der Politiker betont, eine akute Gefahr für Schüler und Lehrer bestehe nicht: „In einem Dreigeschosser kann davon ausgegangen werden, dass ein Feuer, das so stark ist, um Stahl zum Schmelzen zu bringen, weit vor dem kritischen Punkt bemerkt wird und die Schule längst geräumt ist.“

Dessen ungeachtet bleibt die Sperrung zunächst bestehen. Wie lange, muss ein Experte klären. Ein solcher wird gerade dringend gesucht. Er soll feststellen, ob die Stahlträger sofort ummantelt werden müssen oder ob das bis zur Schulsanierung Zeit hat, die Ende 2013 beginnen soll.

Für die Schulleitung jedenfalls werden auch die Weihnachtsferien alles andere als ruhig. Sie muss bis zum ersten Schultag 2013 am 7. Januar ein Konzept für den Unterricht fertig haben. Keine der 14 Klassen soll auf andere Schulen verteilt werden. Stadtrat Beckers: „Wir haben Glück, dass diese Schule über die beiden Freizeitgebäude verfügt.“